Kultur : Les Paul

Diese Woche auf Platz 50 mit: „American Made World Played“

Ralph Geisenhanslüke

Wenn William Lester Polfus eine Bühne betritt, gibt es immer einen Moment der Überraschung: „Die Leute wundern sich, dass ich keine Gitarre bin – und auch nicht tot.“ In den Fünfzigern war Polfus einer der bekanntesten Gitarristen – und ein begnadeter Tüftler, der neben allerhand Effektgerät die Mehrspuraufnahme erfand, damals noch mit Wachsplatten.

Aber Polfus hatte schon immer ein Problem mit seinem Namen. Zum Beispiel als er die Idee für ein elektrisches Saiteninstrument hatte: Laut und klar sollte es klingen und nicht dauernd durch unerwünschtes Brummen und Pfeifen stören. Schon als Junge hatte er sich über diese Geräusche geärgert, wenn er seine Versandhausgitarre an das elterliche Radio anschloss. Er ging zur Firma Gibson und ließ ein Instrument nach seinen Vorstellungen bauen. Gibson wollte zunächst nicht einmal seinen Namen darauf schreiben. Bald darauf wurden beide Namen eingraviert. Der des Herstellers und Polfus’ Künstlername. So ist es bis heute. Die Gibson „Les Paul“ ist ein Klassiker; so wie die etwa zeitgleich entstandenen Instrumente des Rundfunktechnikers Leo Fender.

Lange Zeit schien es, als teile sich die Welt der Stromgitarristen in zwei große Religionen: in Fenderianer mit ihrem höhenreichen schneidenden Ton und die Gibsonisten, Anhänger des warmen, fetten Brat-Sounds. Beste Beispiele: Jimi Hendrix (Fender) und Carlos Santana (Gibson). Der wurde später abtrünnig, um bei der Edelschmiede Paul Reed Smith seine eigene Edition herauszubringen.

Rund vier Kilo wiegt eine „Paula“. Spätestens nach einer Stunde bekommt man Rückenschmerzen. Aber das haben alle, die hier mit dem Meister jammen, überlebt: Eric Clapton, Jeff Beck, Buddy Guy, Keith Richards, Steve Miller, Edgar Winter oder Peter Frampton. Diese Herren besitzen gewiss Original-Instrumente aus den Fünfzigern. Mittlerweile kann man seine Les Paul auch fade worn kaufen, also werkseitig abgenutzt wie eine Jeans. Garantiert echt, alive & kickin’ aber ist Les Paul. Er feierte vor kurzem seinen 90. Geburtstag.

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