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Wolfgang G. Schwanitz

Jana Forsmann:

Testfall für die „Großen Drei“. Die Besetzung Irans durch Briten, Sowjets und Amerikaner 1941-1946. Böhlau Verlag, Köln 2009, 321 S., 39,90 €.

Das Ziel waren Irak und Syrien, notierte Joseph Goebbels in seinem Tagebuch. Der Afrikafeldzug war dafür der Schlüssel – schnell rückte Generalleutnant Erwin Rommel 1941/42 auf den Sueskanal vor, deutsche Fallschirmjäger besetzten Kreta. Die Alliierten nahmen an, Berlin stoße im Zangengriff in Nahost über Irak und Iran nach Indien vor – das Ende des Britischen Empires wäre nahe gewesen. Im August 1941 marschierten britische und sowjetische Truppen deshalb in den Iran ein und besetzten weite Teile des Landes. Die Invasion diente vor allem dem Ausbau einer Verteidigungsstellung gegen das „Dritte Reich“ und der Sicherung einer Verbindungsroute in die Sowjetunion. Die USA unterstützten das Vorgehen durch die Entsendung von Truppen und Regierungsberatern. Die Dresdner Historikerin Jana Forsmann beschreibt in ihrem lesenswerten Buch diese erste koordinierte Invasion der „Großen Drei“. Das Misstrauen saß dabei schon damals tief. Speziell Stalin sorgte sich in Teheran um die Sicherheit der drei, da seine Leute auf „deutsche Entführungspläne“ verwiesen. Roosevelt stieg in Moskaus Botschaft ab, die voller Lauschgeräte war. Auch über das weitere Vorgehen im Iran zerstritten sich die Verbündeten schon bald. Stalin versuchte 1945 und 1946, die von Kurden und Aseris bewohnten Provinzen Irans abzuspalten, um dort prosowjetische Staaten auf Kosten des Iran zu etablieren. Ausgelöst wurde die Krise dadurch, dass sich Stalin zunächst weigerte, die sowjetischen Truppen vereinbarungsgemäß nach dem Ende des Krieges aus dem Iran abzuziehen. Der US-Präsident Harry S. Truman drohte Stalin mit ernsthaften Konsequenzen, bis hin zum Einsatz von Atomwaffen, wenn er seine Truppen nicht aus dem Iran abzöge. Die Irankrise war damit ein Zeichen des beginnenden Gegensatzes zwischen den USA und der UdSSR und eines der ersten Ereignisse des Kalten Krieges. Auch heute geht es um Atomwaffen, auch heute sind sich Russland und die USA nicht gänzlich im Umgang mit dem Iran einig: Forsmanns Studie zeichnet die historischen Interessenlinien sehr erhellend nach. Wolfgang G. Schwanitz

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