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Helmut Lölhöffel

Thomas Brechenmacher:

Die Bonner Republik. Politisches System und innere Entwicklung der Bundesrepublik. be.bra verlag Berlin, 2010. 208 Seiten, 19,90 Euro.

Ob die Bonner Republik mit der Vereinigung Deutschlands, dem Bonn-Berlin-Beschluss 1991 oder dem Regierungsumzug 1999 in eine Berliner Republik überging, ist Ansichtssache. Der Historiker Thomas Brechenmacher lässt die Bonner Republik jedenfalls mit Ereignissen auslaufen, die außerhalb Bonns stattfanden: den Leipziger Montagsdemonstrationen und dem Berliner Mauerfall. Prägend für die 40-jährige Provisoriums-Epoche waren in seinen Augen die Bundeskanzler Konrad Adenauer, Willy Brandt, Helmut Schmidt sowie Helmut Kohl; „Keine Experimente“ (Adenauer), „Mehr Demokratie wagen“ (Brandt) und die „geistig-moralische Erneuerung“ (Kohl) sind Markierungen in Brechenmachers Schnelldurchlauf. Alles in allem schildert der Autor die Bonner Republik als Erfolgsgeschichte, die ihre Aufgabe, das Grundgesetz zu erfüllen, bewältigt habe. Einen Zusammenhang stellt Brechenmacher zwischen Brandts Kniefall in Warschau (1970) und dem Tag der Maueröffnung (1989) her, denn Brandts Geste „trug langfristig zum Bild eines anderen, erneuerten Deutschland in der Welt bei, dessen Gewicht in die Waagschale fiel“, als sich die Türen zur Vereinigung öffneten. Folgen und Wirkungen der 68er-Bewegung werden hingegen unterbewertet, indem er ihr nachträgliche „Mythifizierung“ unterstellt. Helmut Lölhöffel

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