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Dieter und Giesela Riesenberger:

Rotes Kreuz und Weiße Fahne. Henry Dunant 1928-1910. Donat Verlag, Bremen 2010. 360 Seiten, 19,50 Euro.

Es gibt nur ganz wenige Menschen, die die Welt besser gemacht haben. Henry Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes, ist so einer. Auf dem Schlachtfeld von Solferino sah er 1859 unermessliches Leid und setzte sich fortan für eine bessere Versorgung verwundeter Soldaten ein, nachdem er zuvor bereits den Christlichen Verein Junger Männer (CVJM) gegründet hatte. Einfach war das nicht, doch Dunant verschrieb sich ganz seiner Idee und ließ sich von zahlreichen Rückschlägen nicht unterkriegen. Dieter und Gisela Riesenberger zeichnen in ihrer Biografie akribisch nach, welche Widerstände er überwinden musste, bevor das Rote Kreuz und die Genfer Konvention zum Schutz der in Kriegen verwundeten und erkrankten Soldaten Wirklichkeit werden konnten. Etwas weniger Detailtreue hätten dem Band indes ebenso wenig geschadet wie etwas mehr Distanz. Dass Dunant später beinah in Vergessenheit geriet, schreiben sie vor allem der üblen Nachrede seiner Neider zu. Tatsächlich jedoch wurde dem Geschäftsmann der Prozess gemacht, weil er im Kampf für seine Visionen selbst vor betrügerischen Mitteln nicht zurückschreckte. Er baute ein verschachteltes System von Aktiengesellschaften auf, das teilweise aus Scheinfirmen bestand, um die notwendigen Mittel zu erwirtschaften. Parallelen zu Skandalen wie der Affäre um fragwürdige Spendenwerbemethoden bei Unicef vor wenigen Jahren sind dabei unverkennbar. Dunant fiel tief und musste seinen Ruf mühsam wieder aufbauen, bevor sein Lebenswerk 1901 mit dem Friedensnobelpreis gekrönt wurde. Ein spannendes und 100 Jahre nach dem Tod Dunants am 30. Oktober 1910 verblüffend modernes Leben. Ulrike Scheffer

Nelson Mandela: Bekenntnisse. Piper Verlag, München 2010. 458 Seiten, 22,95 Euro. Nelson Mandela hat, schreibt Barack Obama in seinem Vorwort, der Hoffnung den Vorzug gegeben vor der Angst. Was das bedeutete, dokumentiert „Bekenntnisse“: Diese Materialsammlung aus Tagebuchnotizen, Interviews, Briefen und anderem unveröffentlichten Material ist das Archiv Mandelas, in dem das Banale, Private und Politische gleichermaßen Ausdruck findet. Neben der Kalendernotiz vom 18. Januar 1984 („Pflanzte Tomaten in zwei verschiedenen Behältern“) findet sich der Streit um den gescheiterten Versuch, zur Beerdigung seines Sohnes herausgelassen zu werden, oder auch das Bekenntnis, nach der Haftentlassung nur geringe politischen Ambitionen gehabt zu haben: „Ich beschwor die drei hochrangigen Führer, ich würde lieber dienen, ohne eine Position in der Organisation oder der Regierung innezuhaben.“ Es ist anders gekommen. Moritz Schuller

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