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Helmut Lölhöffel

Franz Josef Jung

: Die letzten Tage der Teilung. Wie die deutsche Einheit gelang. Herder Verlag, Freiburg 2010. 198 S., 17,95 €.

Von Franz Josef Jung wissen wir, dass er zu den ergebenen Gefolgsmännern der hessischen Ministerpräsidenten Walter Wallmann und Roland Koch gehörte, in die Schwarzgeldaffären der Hessen- CDU verstrickt war und als glückloser Verteidigungsminister amtierte. Dass er ein „Mitgestalter“ der Einheit war, ist bisher verborgen geblieben. Tatsächlich hat er als Generalsekretär seiner Partei von November 1989 bis März 1990 eine beachtliche organisatorische Leistung vollbracht, indem er, von Helmut Kohl persönlich ermuntert, in Thüringen eine konservative „Allianz für Deutschland“ bildete und zu einem fulminanten Erfolg führte. Jung war nicht nur felsenfest von der Wiedervereinigung überzeugt, sondern hatte in dieser Phase auch den richtigen Riecher: als einer der Ersten lernte er den späteren Einheitsminister Lothar de Maiziere und die heutige thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht kennen und kümmerte sich um die „Reformer“ in der Ost-CDU, trotz Bedenken gegen die SED-Blockpartei. Parallel mobilisierte er Bewohner des hessisch-thüringischen Grenzgebiets und bereitete Kohls denkwürdigen Auftritt in Erfurt vor. In seinen tagebuchartigen Aufzeichnungen wird offenbar, dass Jung konsequent die staatliche Einheit im Auge hatte, aber zugleich auf künftige politische Mehrheiten schielte. Dies verrät seine Wortwahl, dass sich die „umfassende personelle und materielle“ Hilfe aus dem Westen „auszahlte“. Jung hat diesen Auftrag, wie viele andere auch, erledigt. Sein Buch ist ein winziger Ausschnitt aus einer weltbewegenden Zeit. Helmut Lölhöffel

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