LESESTOFF : LESESTOFF

Uwe Soukup

Peter Horvath:

Die inszenierte Revolte. Herbig, München 2010. 271 S., 19,95 €.

Im Mai vergangenen Jahr ist bekannt geworden, dass Karl-Heinz Kurras, der Polizist, der Benno Ohnesorg erschoss, IM der Stasi und sogar SED-Mitglied war. Muss die Geschichte der Studentenbewegung, ja, die Geschichte der Bundesrepublik umgeschrieben werden? Eine spekulative Antwort gibt nun Peter Horvath, ein früheres DKP-Mitglied. Horvath versucht, einen Stasi-Plan zur Tötung eines Demonstranten plausibel zu machen. Dies würde ins Konzept des Ostens gepasst haben: „Viele Indizien sprechen dafür, dass Kurras am 2. Juni 1967 schoss, um die Konfrontation zwischen der entstehenden studentischen Protestbewegung und den staatlichen Autoritäten weiter zu eskalieren und die Situation in West-Berlin zu verschärfen.“ Dass sich kein schriftlich festgehaltener Auftrag für den Todesschuss finden lässt, beweise nahezu, dass es ihn gab: „Vermutlich wurden hierzu keine schriftlichen Aufzeichnungen angefertigt.“ Zu dieser Art der Argumentation passt, Rudi Dutschke zu einem von der DDR nach West-Berlin eingeschleusten Agenten zu machen, der „am 24.12.79 überraschend in der Badewanne ertrank“. Dass dies infolge eines epileptischen Anfalls – Spätfolge des Attentats – geschah, dürfte auch Horvath bekannt sein. Es ist wohl eine Art Kulturkampf, der hier stattfindet. Weg mit den 68ern! Der Stachel der Revolte von 1968 sitzt tief, und einigen bereitet er noch heute heftigen Schmerz. Uwe Soukup

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