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Peter L. Bergen:

Die Jagd auf bin Laden. Eine Enthüllungsgeschichte. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2012. 368 Seiten 19,99 Euro.

Einmal wurde sogar ein deutscher Ornithologe zu Rate gezogen. Der sollte den Vogel identifizieren, der auf einem Al- Qaida-Video zu hören war. Am Ende war es kein Vogelgezwitscher, das die Jäger zu Osama bin Ladens Versteck im pakistanischen Abbottabad führte, sondern dessen Kurier. „Geh wieder ins Bett“, sagte bin Laden noch zu seiner Tochter, als die Navy-Seals in der Nacht schon längst gelandet waren. Widerstand hat er dann keinen mehr geleistet, nach der Waffe in seinem Schlafzimmer griff er nicht mehr. Peter Bergen schildert diese spannende Jagd, die kurz nach dem 11. September in Tora Bora schon fast zuende gewesen wäre; damals entkam der eigentlich schon eingekreiste bin Laden jedoch und seine Spur verlor sich. Bergen, der auch mit Geheimdienstleuten in Pakistan gesprochen hat, weiß detailliert zu berichten, wie das Alltagsleben von bin Laden und seiner Familie (seine zwei älteren Frauen sind Akademikerinnen) auf engstem Raum ablief. Umgekehrt präsentiert Bergen die heikle Lage der Jäger, die bis zuletzt nicht wussten, ob es wirklich Osama bin Laden ist, der sich in diesem Haus versteckt. Die Wahrscheinlichkeit bezifferten die einen in Washington auf 80, andere jedoch nur auf 40 Prozent. Dass Präsident Barack Obama, der sich eine Nacht für die Entscheidung nahm, schließlich gegen den Rat seines eigenen Verteidigungsministers den Befehl zum nächtlichen Angriff gab, bleibt angesichts der möglichen politischen und militärischen Risiken auch im Rückblick äußerst mutig. mos

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