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Helmut Lölhöffel

Wilfried Bommert:

Bodenrausch. Die globale Jagd nach den Äckern der Welt. Eichborn-Verlag, Köln 2012. 384 Seiten, 19,99 Euro

Seit dem Zusammenbruch der Finanzmärkte ist eine der letzten sicheren, Rendite versprechenden Wertanlagen der Boden. Spekulation an den Nahrungsmittelbörsen bestimmt die Preise für unser täglich Brot. Die Agrar- und Ernährungsindustrie und ihre Lobbyisten bemächtigen sich der Anbauflächen. So sieht Wilfried Bommert, lange Jahre Leiter der Umweltredaktion des Westdeutschen Rundfunks, Autor des Buchs „Kein Brot für die Welt“, Vorsitzender des Instituts für Welternährung, die Entwicklung der Weltlandwirtschaftsordnung. Bommert beschreibt den „Bodenrausch“ und seine Folgen drastisch, manches liest sich wie ein Katastrophenszenario. Doch er jammert nicht, sondern zeigt Wege aus dem globalen Dilemma. Was er entdeckt hat und vorstellt, macht neugierig: „Der Neuanfang wird, von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, bereits vorbereitet, nicht in der Politik, sondern in der Zivilgesellschaft rund um den Globus.“ Der Lebensstil der Menschen in den Industrieländern und der Zuwachs der Weltbevölkerung verlangen „Neuland in einer Größenordnung des Zweieinhalbfachen der heutigen Anbauflächen“. Weil diese Rechnung aber nicht aufgeht, müsse sich zunächst, so folgert Bommert, der Umgang mit dem Vorhandenen ändern. Sein Rezept ist eine „Bodenmedizin“, die sich auf uralte erprobte Methoden besinnt und vorliegende Forschungsergebnisse in der Praxis anwendet. Dabei setzt Bommert auf den japanischen Professor Teruo Higa, der einen Bakteriencocktail erfunden hat, mit dem sich gekippte Ökosysteme wiederbeleben lassen. Einen Weg weist die Wirtschaftsnobelpreisträgerin des Jahres 2009, Elinor Ostrom, mit ihren Ideen für ein neues Bodenrecht. Sofort ansetzen müsse man beim Missmanagement der Nahrungskette, in deren Verlauf mehr als die Hälfte der Ernten verloren gehen. Beispiele für Betriebsmodelle, die den Nährstoffkreislauf befolgen und reiche Ernten einfahren, gibt es auch in Deutschland zu besichtigen. Helmut Lölhöffel

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