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Wolfgang G. Schwanitz

Matthias Küntzel:

Deutschland, Iran und die Bombe. Lit Verlag, Berlin/Münster 2012. 258 Seiten, 19,90 Euro.

Matthias Küntzel stellt hier 24 Essays samt Dokumentenauswahl vor, die auf sein Buch „Die Deutschen und der Iran“ (wjs, 2009) folgten. Es geht um Teherans Griff nach der Atomwaffe, einen Militärschlag Israels und die deutsch-iranischen Wirtschaftskreise; und es geht um seine Kritiker, darunter Katajun Amirpur und Michael Lüders, mit denen sich Küntzel weiter auseinandersetzt. Der Politologe Küntzel, der von 1984 bis 1988 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Grünen-Bundestagsfraktion war, gehört seit Jahren zu den eindringlichsten Warnern vor den Folgen des iranischen Atomprogramms. Seltenheitswert hat sein „Wer ist wer?“ im Geschäft mit Iran. Die Liste erhellt die Branchen und Niederlassungen. Einige Firmen hätten sich inzwischen aus dem Feld geschlagen, schreibt Küntzel, andere seien hinzugekommen. Seine Ausflüge führen den Autor bis nach Dubai, das als verdecktes Eingangstor zu Iran fungiert. Den Vorschlag von 50 Friedensforschern, vom Wirtschaftsembargo abzurücken, das Teheraner Atomprogramm kontrolliert zu begrenzen, einen Nichtangriffspakt mit Israel zu vereinbaren und die Region in eine Zone zu verwandeln, die frei von Massenvernichtungswaffen ist, lehnt Küntzel ab. Man könne schließlich nicht ignorieren, schreibt er im März 2012 gemeinsam mit zwei Akademikern von „Scholars for Peace in the Middle East“, dass Irans Führer Israel von der Landkarte tilgen wollen. Offene Worte, die man nicht alle teilen muss. Doch die Debatten sind hochaktuell, mit oder ohne Krieg an der Meerenge von Hormus. Wolfgang G. Schwanitz

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