LESESTOFF : LESESTOFF

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Arthur Koestler:

Von weißen Nächten und roten Tagen. Zwölf Reportagen aus der Sowjetunion. Promedia Verlag, Wien 2013. 175 Seiten, 17,90 Euro.

Im Sommer 1932, der Starschreiber ist gerade bei Ullstein entlassen worden, übergibt Arthur Koestler in Berlin sein rotes Fiat-Cabriolet an Johannes Becher und macht sich auf in die Sowjetunion. Der Koestler der „Sonnenfinsternis“ liegt weit in der Zukunft, noch ist der 27-jährige Neu-Kommunist mehr als bereit, sich wie die anderen Politreisenden vor ihm für das Land zu begeistern. Trotzdem werden die wohlwollenden Reportagen, die seine Laufbahn als bürgerlicher Journalist beenden, von seinen sowjetischen Verlegern als „unseriös“ abgelehnt. Koestlers erstes Buch erscheint dann zwar 1933 im Ukrainischen Staatsverlag für die nationalen Minderheiten in der UdSSR, aber nur in einer stark tranchierten Version. Der erste Teil ist eine amüsante Zusammenfassung seiner Reise mit dem Luftschiff „Graf Zeppelin“ an den Nordpol, die Koestler noch für die „Vossische Zeitung“ mitgemacht hatte (vorher musste er sich ärztlich attestieren lassen, weder geistes- noch zuckerkrank zu sein. „Ersteres leuchtete mir ein – man fährt nicht gern mit Irrsinnigen in einer Luftschiffgondel“); der zweite Teil umfasst, spürbar gekürzt, die Reportagen aus den Randgebieten der Sowjetunion, bei denen er kurioserweise mitten in Turkmenistan den schwarzen amerikanischen Dichter Langston Hughes trifft, der den Turkmenen auf „wunderbar einfache Art“ erzählt, „wie die Neger in den amerikanischen Baumwollplantagen lebten“. Moritz Schuller

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