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Friso Wielenga:

Geschichte der Niederlande. Reclam Verlag, Stuttgart 2012. 460 Seiten, 17,95 Euro.

Zeitenwende in den Niederlanden: Am morgigen Dienstag wird Willem-Alexander seine Mutter auf dem niederländischen Thron ablösen, im November jährt sich zum 200. Mal die Rückkehr der Oranier aus dem englischen Exil und damit der Beginn des Königreichs der Niederlande. Gerade rechtzeitig zu diesen bedeutenden Ereignissen ist Friso Wielengas „Geschichte der Niederlande“ erschienen. Es ist das Verdienst Wielengas, dass er in seiner sehr übersichtlich gehaltenen Geschichte der Niederlande vom Anfang des Aufstands gegen die Spanier bis heute mit einigen lieb gewonnenen Klischees aufräumt. Er arbeitet heraus, dass der Aufstand gegen Spanien im 16. Jahrhundert durchaus Züge eines Bürgerkriegs hatte, und dass die dem Ende der Republik vorausgegangene Periode der Patriotenbewegung Ende des 18. Jahrhunderts gewalttätige innere Konflikte kannte. Auch die scharfen Gegensätze zwischen Protestanten und Katholiken blieben bis ins 20. Jahrhundert prägend. Bedeutsam für die politische Kultur des Landes war es seiner Ansicht nach gleichwohl, dass man in einem kleinen Land mit vielen Minderheiten zu einem Konsens finden musste, zumindest schneller als in den großen Nachbarstaaten. Bedeutend für die Entwicklung des Landes waren nach Wielenga ein von Anfang an starkes Bürgertum und damit ein Erstarken der Städte, die im Welthandel eine herausragende Rolle spielten und große wirtschaftliche Macht hatten. Dadurch gewannen die Niederlande vorübergehend weltpolitisch eine größere Macht, als die Größe des eigenen Territoriums hätte vermuten lassen. Die exponierte geografische Lage und das Verhältnis zu den anderen europäischen Großmächten beeinflussten die Geschichte des Landes. Externe Entwicklungen hatten immer wieder auch Folgen für die Innenpolitik. Interessant ist auch das enge Verhältnis zu Deutschland über die Jahrhunderte hinweg, das in dem von Wielenga geschilderten Ausmaß einer breiten Öffentlichkeit unbekannt sein dürfte. So heuerten im 17. Jahrhundert viele Deutsche auf Schiffen der Vereinigten Ostindischen Companie (VOC) an oder verdingten sich als Wanderarbeiter in den wohlhabenden Niederlanden. Allerdings wird König Willem-Alexander der erste König sein, der keinen deutschen Ehepartner hat. Rolf Brockschmidt

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