Letzte Party : Bärendinner mit Präsidentin

Entspannen bei Weidelamm und Birnenstrudel: So feierte die Berlinale-Jury mit den Preisträgern im Restaurant Borchardt die letzte Party der Filmfestspiele.

 Elisabeth Binder
Tilda Swinton
Handkuss Tilda Swinton und Schauspielerin Magaly Solier. -Foto: dpa

Die exklusivste Party der Berlinale blieb tatsächlich der Hochkultur vorbehalten. Nachdem das Festival zehn Tage lang die ganze Stadt ins Kinofieber katapultiert hatte, feierten in der Nacht zum Sonntag beim Bärendinner im Borchardt die Gewinner weitgehend unter sich und ganz entspannt ihren Triumph und holten sich Schwung für künftige Projekte. Das Dinner im kleinsten Kreis der Sieger ist in den letzten Jahren zur Berlinale Ab- und Ausspann-Tradition geworden. Nach und nach zogen die Teams der Siegerfilme ein, schwenkten fröhlich ihre Bären und wurden von den bereits Anwesenden mit Ovationen empfangen: Adrian Biniez mit dem Gigante-Team, Claudia Llosa mit dem peruanischen Gewinner- Team und dem goldenen Bären im Schlepptau, Maren Ade und die Mitwirkenden von „Alle Anderen“ und all die anderen genossen die entspannte Atmosphäre.

Zuerst waren die Jurymitglieder da. Tilda Swinton und ihre Kollegen erholten sich an den Tischen mitten im Raum zwischen den Säulen von vierzig Stunden und 15 Minuten, die sie mit 25 Filmen zugebracht hatten. Christoph Schlingensief hatte schon vorher bekannt, dass er erschöpft ins Festival hineingegangen und gekräftigt wieder herausgekommen sei. Schräg gegenüber ließ der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit die gesehenen Filme Revue passieren.

Als einer der letzten kam gegen halb zwölf Dieter Kosslick, warf seinen schwarzen Hut in die Menge der Sieger, genoss den Schlussapplaus, der ihm für das „Festival der Herzen“, wie Staatsminister Bernd Neumann es genannt hat, entgegenbrandete und ließ sich dann mit dem bequemen roten Berlinale-Kapuzenpulli in einer der Randnischen nieder. Hinter ihm liegen Monate des Filmesichtens, dann der Marathon durch das ständig wachsende Festival. Am Ende stand dann der filmreifer Augenblick, wo er sich als Star der Stars fühlen durfte.

Kurz zuvor hatte er noch eine viel gelobte Neuerung eingeführt und dem Abschlussfilm „Eden à l’Ouest“ kurzerhand den großartigen Gewinner des Talent Campus als Vorfilm vorangestellt. Im Jubiläumsjahr des Mauerfalls ging es um das Thema „My Wall“. „Wagah“ von Supriyo Sen entlarvt Absurdität von Mauern so gnadenlos gründlich, dass er in den kommenden Monaten hoffentlich auch dem breiten Berliner Kinopublikum noch zugänglich gemacht wird.

Unter die Gewinner, die gegrillte Gambas mit Pesto, Karree vom Weidelamm mit Artischocken, Loup de mer und Birnenstrudel tafelten, mischten sich auch Mitwirkende des berührenden Abschlussfilms. Nur wenige Berliner saßen an den langen Tafeln, Kunstwächter Peter Raue, der Dichter und Intendant der Berliner Festspiele Joachim Sartorius, Wim Wenders und Ehefrau Donata.

„Die Leute gehen viel lieber miteinander um als früher, es ist alles so locker und herzlich geworden“, freute sich eine langjährige Gästebetreuerin. Bis früh in den Morgen hinein zog Protokollchefin Christina Gräfin Szapary diskret ihre ordnenden Bahnen zwischen den Tischen, während sich nach und nach die Spitzen des Berlinale-Teams in den ersehnten Schlaf verabschiedeten. „Das ist das einzige Unternehmen, das ich kenne, in dem die Leute dauernd den Chef umarmen wollen“, sagte Kosslick.

Früh verabschiedete sich Jurymitglied Alice Waters. Nächstes Jahr will die Lebensmittel-Aktivistin wiederkommen, in welcher Rolle auch immer.

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