Kultur : Letzter Aufruf für Thomas Flierl

Die Staatsoper wehrt sich am Flughafen Tegel gegen Kürzungen

Uwe Friedrich

Mit Kultursenator Thomas Flierl will Daniel Barenboim nicht mehr reden. Zu tief sitzt die Enttäuschung über die Budgetkürzung um 7 Millionen Euro. Der Staatskapellen-Chefdirigent auf Lebenszeit sprach auf einer improvisierten Pressekonferenz im Flughafen Tegel von „Räuberei, mit der uns Gelder weggenommen werden, die wir gespart und erwirtschaftet haben.“ Mit seinem Verhalten zerstöre der Senator Staatsoper und Staatskapelle, die Theaterlandschaft, die moralische Haltung Deutschlands in der Welt: „Das ist ohne Dramatisierung“. Gleichwohl kündigte Barenboim unter dem Beifall der Orchestermusiker an, in der Stadt zu bleiben, um seinen Kampf für die Staatskapelle fortzusetzen.

Weltweite Proteste kündigte der Maestro an gegen diese ungerechte Behandlung des „einzigen künstlerisch und wirtschaftlich erfolgreichen Opernhauses in Berlin". Seit drei Jahren schreibt die Staatsoper im Rahmen des Wirtschaftsplans schwarze Zahlen. Das gelang durch extrem hohe Eintrittspreise an Festtagen, durch Japan-Gastspiele der Wagner-Inszenierungen und Tourneen der Staatskapelle. Bislang galt dieses wirtschaftliche Verhalten vor dem Hintergrund hoher Subventionen als politisch gewünscht, die Oper durfte erzielte Mehreinnahmen behalten. Diese Verabredung hat Flierl nun aufgekündigt, das Geld wird dem Haus abgenommen, um Löcher im Kulturetat zu stopfen. Darüber ärgert sich auch der Geschäftsführende Direktor Georg Vierthaler: „Wir sind eine Art Behörde des Landes, rein rechtlich kann der Senat uns das Geld wegnehmen.“ Doch durch diese kurzfristigen Maßnahmen schaffe sich der Senator noch größere Probleme. Schließlich sei das Geld bereits für künstlerische Projekte in naher Zukunft festeingeplant gewesen. Vierthaler sieht die Staatsoper daher auf dem Weg zum Provinztheater. Falls Flierl auf moralische Argumente nicht reagiere, werde im künstlerischen Bereich erneut der Rotstift angesetzt. Streichlisten, sagt Intendant Mussbach, habe man bereits vorbereitet.

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