Kultur : Letzter Wille

TANZ

Ulrich Amling

Faszinierend, welche Kräfte so ein angekündigter Tod zu mobilisieren vermag. Seitdem die Tage des Balletts an der Komischen Oper gezählt sind, werden die last dances der Compagnie konsequent vermarktet. Inszeniert als finaler Countdown für das moderne Ballett in Berlin, hofft man auf einen, der den Zünder in letzter Minute doch noch entschärft. Lust auf solche kühnen Rettungsversuche sollte die Ballett-Gala in der Komischen Oper wecken. Immerhin war mit Adrienne Goehler auch die Kuratorin des Hauptstadt-Kulturfonds zugegen. Doch das gefühlte Raumklima glich eher einer Zwangsversteigerung. Moderatorin Cora Frost ist sicher die Richtige für reuelose Abrissfeten. Die Falsche jedoch, wenn man hofft, noch irgendwas zu in Sicherheit bringen zu können. Als Choreografin sorgte die Sängerin immerhin für einen kleinen Aufreger. Nicht, weil sie Gott selbst in einem weißen Anzug auf die Bühne setzte, der Schwanensee mit echten Federn forderte. Nein, es waren die Sylphiden in Form dreier nackter, übergewichtiger, älterer Männer in ihrer vollen Faltigkeit, die übrig gebliebene Schöngeister zu verschrecken suchten. Doch wozu die Mühe. Der Abend, der Schnipsel von Hausproduktionen mit Auftritten von prominenten Gästen mischte, zeigte das Berlin Ballett/Komische Oper als freundliche, aber im Vergleich mit den Tänzern der Rambert Dance Company oder des Cullberg Balletts wenig profilierte Truppe. Ist das tragisch? „Einfach mal in der dunklen Küche mit dem Arsch wackeln und schauen, ob sich neue Perspektiven eröffnen“, rät Frau Frost. Ein spitzenmäßiges Rezept.

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