Kultur : Leuchten der Klänge

JÖRG KÖNIGSDORF

Es war im Sommer letzten Jahres, als Lior Shambadal in Berlin zum ersten Mal aufhorchen ließ.Mit zwei Konzerten in den Borsighallen weckte der frischgebackene Symphonikerchef die in seinem Orchester schlummernden Qualitätsreserven.Damals stand die "Moldau", das Highlight aus Smetanas "Mein Vaterland", auf dem Programm, wie ein Versprechen auf den ganzen Zyklus.Den gab es jetzt, zur Saisoneröffnung im Schauspielhaus.Und wieder kommt man über die zwischenzeitliche Qualitätssteigerung, die Dirigent und Orchester erzielt haben, nicht aus dem Staunen heraus.Wo die letztjährige "Moldau" noch leichte Intonationstrübungen in den Streichern aufwies, wie bei der hochliegenden "Mondschein"-Episode, wo sich in den schnellen Passagen noch leichte Unsauberkeiten einschlichen, blinkt jetzt alles im Konzertorchester-Hochglanz.Schon in den vorangestellten "Fresken des Piero della Francesca" imponieren die Streicherstimmen als homogene Klangflächen, setzen auch feinere Farbwerte mit bislang kaum gehörter Geschmeidigkeit um.In Smetanas Zyklus gewinnen Dirigent und das Orchester vielleicht noch stärker an Eigenprofil: Shambadals energiegeladene Musizierhaltung und das Klangprofil seiner Symphoniker stimmen hier ideal zusammen, ein leichter Überdruck, ein stetes rhythmisches Vorwärtswollen zwingt die brillant absolvierten Soli unter einen großen erzählerischen Bogen.Die Blechbläser behalten selbst im fortissimo noch einen leuchtenden Klang (ein Extralob für die fabelhaften Hörner und Posaunen), selbst die Choralapotheose des "Blanik" bleibt so ein warmes emotionales Heimatbekenntnis, statt in schmetternden Tonchauvinismus abzugleiten.Ein Auftakt, der nicht besser hätte ausfallen können.

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