Kultur : LEUTE

Stars und Sternchen

Bernd Matthies

Wenn es in diesen Zeiten überhaupt eine weltweit beliebte Religion gibt, ist das sicher der Zen-Buddhismus. Die Leute sind ruhig, hören konzentriert zu und bleiben friedlich, egal, was kommt. Und sie essen gern! Jedenfalls tut das Edward Espe Brown , ein kalifornischer Koch und Zen-Priester, der nun bei uns außerhalb von Fachkreisen bekannt wird, weil Doris Dörrie über ihn einen Film gedreht hat: „How to cook your life“, eine Hommage an einen eigenartigen, sehr kalifornischen Erfolgs-Außenseiter. Ein Gourmet-Film im eigentlichen aktuellen Sinn ist das nicht, denn selten wurde in gut 90 Minuten so viel geknetet und geschnippelt – und so wenig gegessen. Brown würde seine versponnene Überzeugungskraft zweifellos auch beim Töpfern oder Weinbau durchsetzen, doch seine kategorische Versenkung ins jeweilige Tun ist so oder so ein harter Angriff auf die Möhrenfeindlichkeit der Fastfood-Gesellschaft. „Wenn du eine Möhre schneidest“, sagt er, „dann schneide eine Möhre und denk nicht an Termine und Verpflichtungen.“ Er selbst schweift freilich auch mal ab, bricht plötzlich beim Betrachten von verbeulten Teekesseln in Tränen aus, weil ihm dabei unerwartet seine harte Jugend ins Bewusstsein dringt. Der Dörrie-Film gehört in die kleine Berlinale-Reihe „Kulinarisches Kino“, und deshalb gab es nach der Vorführung im Zelt am Gropius-Bau Safran-Graupenrisotto von Hugos-Küchenchef Thomas Kammeier , der ausdrücklich betonte, er habe das vegetarische Gericht im Sinne Browns „mit viel Liebe gekocht“. Die kleine Talkrunde mit Brown, Dörrie und Alfred Biolek brachte ein wenig angewandte Zen-Besinnung: „Ich koche nie für mich allein“, sagte Biolek, „tun Sie das?“. Ja klar, antwortete Brown, „weil ich es mir wert bin“. Heute Abend schließt die Reihe mit einer Benefiz-Veranstaltung zugunsten des Kreuzberger Jugendprojekts „Gelbe Villa“. Nach dem Wein-Film „Sideways“ kocht Tim Raue „Ochs im Weinberg“, und der Autor Stuart Pigott redet Klartext mit den Winzern Martin Tesch, Markus Schneider und Stefan Winter. Der gute Zweck gestaltet die Teilnahme relativ kostspielig, denn für Film, Essen und Talk sind

100 Euro aufgerufen. Doch das macht die Sache für Kurzentschlossene interessant, denn im Gegensatz zu den gründlich ausverkauften anderen Veranstaltungen sind hier noch Eintrittskarten zu haben. Der Film startet um 19.30 Uhr im Kinosaal des Martin-Gropius-Baus.

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