Kultur : Licht am Ende des Geburtskanals

Esoterischer Videoclip: „The Fountain“

Sebastian Handke

Das Jahr 1500: Der spanische Konquistador Thomas (arg haarig: Hugh Jackman) bekommt von Königin Arabella (Rachel Weisz) eine Schatzkarte. „Finde Eden“, sagt sie, „und ich werde deine Eva“. Viele Kerzen erleuchten ihren Palast.

Das Jahr 2000: Der Wissenschaftler Thommy (nun mit mäßigem Haarwuchs: Hugh Jackman) hat einen Schimpansen im Labor und eine Ehefrau zu Hause. Beide werden sterben, wenn Tommy nicht den Tumor besiegt. Von seinen Mühen hat Affe Donovan mehr als Izzy (hübsch: Rachel Weisz).

Das Jahr 2500: Tom (Jackman), haarlos wie ein Deoroller, sitzt in Lotusstellung im Innern einer Raumschiffblase und spricht mit einem Baum, der sich ebenfalls dort aufhält. Die beiden fliegen geradewegs nach Xibalba. Drei Handlungsstränge, die ineinander verschachtelt sind, und die auch sonst viel miteinander zu tun haben: die Farben Weiß und Gold zum Beispiel, große alte Bäume, und ein Ring ist ebenfalls dabei.

Izzy ihrerseits, auch nicht müßig, hat ein Buch über einen Konquistador bei den Maya geschrieben und dabei erkannt, dass man einen unausweichlichen Tod akzeptieren kann. Sonore Streicher betonen die Weisheit dieser Einsicht, später stimmen die Schottenrocker Mogwai festlich ein. Tom dagegen zeigt sich uneinsichtig. Das hat Folgen, vor allem für den Zuschauer: Der goldweiße Bildersturz dieses 40-Mio-Dollar-New-Age-Videos schwingt sich zu neuen Höhen auf, und was vorher noch dröge und manchmal komisch war, wird endgültig peinlich. Es brennt noch Licht am Ende des Geburtskanals.

Darren Aronofskys Filme „Pi“ und „Requiem for a Dream“ mögen mittlerweile ein wenig an Strahlkraft verloren haben, bleiben aber bemerkenswerte Erzeugnisse eines experimentierfreudigen Filmemachers. An seinem Versuch aber, Tarkowskis „Solaris“ und Kubricks „2001“ zu übertrumpfen, hat er sich kräftig verhoben. Aronofsky will das große, sci-fi-eske Mysterienspiel über Liebe, Tod und Leben, gelungen ist ihm nur ein besinnlicher Musikclip mit vielen Zooms und noch mehr Symmetrie, dessen aufdringliche Schauwerte keinerlei Raum für die Vorstellungskraft lassen. Ein seelenloser Filmtrip, in dem die Makellosigkeit der Bilder nur noch von der Banalität ihrer Symbole übertroffen wird.

„Beende es!“, sagt Schneewittchen, oder war es Izzy, „beende es!“ Und wir sagen: ja, bitte.

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