Kultur : Licht ja, aber bloß kein Regen

Berliner Olympiastadion ausgezeichnet

Christian Huther

Berliner Olympiastadion ausgezeichnet

Es hatte vor allem ein Dach nötig, das Berliner Olympiastadion. Denn zur Fußballweltmeisterschaft 2006 wollen und sollen die Zuschauer im Trockenen sitzen. Die Ansprüche sind gestiegen, und für Volkssport Fußball sind sie allemal durchzusetzen. Nun gab es für die – in den Außenbereichen noch nicht vollständig abgeschlossene – Sanierung und Modernisierung des Stadions eine namhafte Auszeichnung. Das Hamburger Architektenbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) mit seinen für das Berliner Projekt verantwortlichen Architekten Volkwin Marg und Hubert Nienhoff sowie die Lichtplaner Conceptlicht erhielten den mit 15 000 Euro dotierten „Licht-Architektur-Preis 2005“, der vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt/Main zusammen mit der dortigen Messegesellschaft ausgelobt wird.

Die beiden Büros entwickelten eine transluzide Dachmembran und integrierten darin auch die Beleuchtung. Folglich gibt es keine ästhetisch störenden Flutlichtmasten mehr, wie sie der vorangegangene Umbau – gleichfalls für eine Fußball-WM, nämlich die von 1974 – mit sich gebracht hatte. Und selbst die 20 schlanken Dachstützen fallen kaum auf. Aber das Dach hat seine eigene Ästhetik. Es schließt sich nicht zum Ring, sondern öffnet sich am Marathontor zur Stadt.

Derzeit ist das Preisträger-Projekt im Frankfurter Architekturmuseum zu sehen (bis 5. Februar), zusammen mit sechs weiteren Projekten, die eine Anerkennung erhielten. Darunter sind eine U-Bahn-Station in Frankfurt, der Anbau des neuen Max-Ernst-Museums in Brühl und eine Kirche in Regensburg. Letztere wirkt von außen mit ihrer rechteckigen Form und den wenigen Fenstern wie eine Lagerhalle. Innen aber besticht sie mit ihrem ellipsoiden Raum. Und bei gutem Wetter lässt sich dank lichtdurchlässiger Dachmembran auch das Wolkenspiel beobachten. Überdies hat der kreisförmig angeordnete Altar noch ein Dachfenster aus Glas, damit ein starkes Licht scheint. Architektur lebt – auch vom Licht und seiner Symbolik.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben