Kultur : Licht, Stille, Zeit

Die Videokünstlerin Nan Hoover ist tot

Christiane Meixner

Was eigentlich wird hier verkauft? Das mögen sich viele gefragt haben, die an dem Schaufenster in Wedding vorbeigingen. Vor gut drei Jahren hatte Nan Hoover in der Heidebrinker Straße aus einem Ladengeschäft im Erdgeschoss ihr Atelier gemacht und mal ein schwarze, abstrakte Kohlezeichnung ins Fenster gehängt oder abends eine Projektion angestellt. Andere neugierig machen und sensibilisieren, das war der 1931 in New York geborenen Künstlerin wichtig. Ansonsten aber hat sich die kleine, fragile Dame so zurückgenommen, dass vielen gar nicht auffiel: Nan Hoover, die renommierte Video- und Performancekünstlerin, war von Amsterdam nach Berlin umgezogen.

Ab 1969 hatte die Pionierin der Medienkunst in den Niederlanden gelebt und später die niederländische Staatsbürgerschaft angenommen. Nach Deutschland war die Künstlerin wegen der Düsseldorfer Kunstakademie gekommen, wo sie 1986 die Professorenstelle von Nam June Paik übernahm und ein Jahrzehnt lang Film und Video unterrichtete. Parallel dazu trieb Nan Hoover ihre eigene Arbeit fort, in der sie Fragmente der Wirklichkeit verfremdete und im Spiel von Licht und Schatten inszenierte. Zeichnend, in vieldeutigen Installationen oder mithilfe von Projektionen. Nichts davon wollte spektakulär wirken: Nan Hoover bevorzugte die stillen, ästhetischen Bilder, mit denen sie die Wahrnehmung schärfen konnte.

Mit solchen Beiträgen war die Künstlerin unter anderem im Museum of Modern Art und 1984 auf der Biennale in Venedig vertreten. Gleich zweimal trat sie mit Werken bei der Documenta in Kassel auf, die Tate Gallery in London oder das Amsterdamer Stedelijk Museum widmeten ihr große Ausstellungen. Genauso gern aber ließ die Hoover ihre Arbeiten mit dem Alltag verschmelzen: 2003 tauchte sie eine Kirche in Lüdenscheid in blaues Licht, und im Foyer der Münchner Neuen Kammerspiele steht seit langem ein U-förmiges Leuchtobjekt, von dem man nicht genau weiß, ob es nun Sitzmöbel oder Skulptur ist.

Auch in Berlin, ihrer „alten Liebe“ seit einem DAAD-Stipendium 1980, überschnitten sich Kunst und Alltag. Genau wie in ihrem Werk verzichtete Nan Hoover zu Hause auf jede grelle Farbe. Wer sie in ihrem Atelier mit der angrenzenden Wohnung besuchte, der traf eine schwarz gekleidete Frau in schwarz-weiß-grauer Umgebung. Farbe war hier nicht nötig, für die Künstlerin zählten andere Dinge: Licht, Stille, Konzentration und Zeit. Seit dem 20. März sind Arbeiten von ihr im Dialog mit Werken von Bill Viola im Salzburger Museum der Moderne zu sehen, eine Ausstellung in Mannheim war in Planung. Nun ist Nan Hoover nach kurzer, schwerer Krankheit vergangenen Samstag in Berlin gestorben. Christiane Meixner

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