Lichtspektakel : WM-Ouvertüre in Frankfurt

Rausch, Trauer, Euphorie und Glück: Große Fußball-Emotionen haben am Pfingst-Wochenende in Frankfurt am Main eine überdimensionale Bühne gefunden.

Frankfurt/Main - Zur Ouvertüre der Fußball-WM bildeten acht Wolkenkratzer die so genannte «SkyArena», auf die in einer Multivision mehr als 500 dynamische Sportfotografien aus der WM-Historie projiziert wurden. Begleitet wurde der Bilderrausch von stimmungsvoller Musik und Schnipseln historischer Reporter-Kommentare, die über Lautsprecheranlagen und parallel im Radio übertragen wurden.

Mehr als 300.000 Menschen waren nach Schätzungen der Veranstalter bereits in der ersten von drei Nächten an den Main gekommen, um das Spektakel auf der Skyline zu verfolgen. Der Chef des WM-Organisationskomitees, Franz Beckenbauer, zeigte sich beeindruckt: «Das hat mich ganz überwältigt. (...) Besser kann man sich nicht präsentieren.»

Das Tor von Wembley, Maradonas Hand Gottes oder der Jubel des jungen Pelé - die hauptsächlich aus dem Archiv der dpa picture alliance gespeiste Bilderflut ließ zumindest aus der jüngeren WM-Geschichte nichts aus. Elf Emotionen - unter ihnen auch negative wie Härte und Wahnsinn - beschrieben die Faszination der Weltmeisterschaften und gipfelten in der englischen Fußball-Hymne «You?ll never walk alone», die als einzige in bewegten Bildern gezeigt wurde.

Hinter den rund 30 Minuten Bild gewordener Fußballbegeisterung stecken zwei Jahre harte Arbeit und mehr als drei Millionen Euro Sponsorengeld, berichteten die Mitarbeiter der Frankfurter Event- Agentur Markgraph. Sie saßen allerdings kurz vor der Schau völlig entspannt vor ihren Laptops. «Der Time-Code läuft seit 20 Uhr, wir kontrollieren jetzt nur noch, ob auch tatsächlich alle Systeme reagieren», sagte Organisator Andreas Siebert. Die Systeme, das sind unter anderem 40 Hochleistungsprojektoren, 19 Lichteinheiten und drei Tonquellen. Selbst die Parallel-Übertragung im Radio des Hessischen Rundfunks wurde von den Markgraph-Rechner per Signal gestartet.

Das Publikum zeigte sich begeistert. «Da kann man mal richtig stolz sein auf Frankfurt», meinte ein auch am späten Abend noch äußerst korrekt gekleideter Banker im abgesperrten VIP-Bereich. «Wahnsinn» und «geil» waren die gängigen Kommentare des meist jüngeren Publikums auf den Main-Brücken. Ein wenig in Ungnade fiel lediglich im zweiten Teil die Multivision «I love the world» der belgischen Künstlerin Marie-Jo Lafontaine, die es mit ihrem kritischen Ansatz schwer hatte gegen die um sich greifende Fußball-Euphorie.

Zu der pannenfreien Veranstaltung waren auch viele Familien mit Kindern gekommen. «In den nächsten beiden Nächten werden es noch mehr sein, weil sich herumspricht, dass man hier dabei gewesen sein muss», meinte Günter Hampel von der städtischen Tourismus- und Congress-Gesellschaft am Samstag optimistisch.

Tatsächlich wird es etwas Vergleichbares so schnell in Europa nicht mehr zu sehen geben. Bereits am Dienstag beginnt der Abbau. «Ich habe Jahre lang darauf gewartet, meine Heimatstadt einmal so zu zeigen. Sonst kann man so etwas nur in New York oder Hongkong machen», sagte Roland Lambrette, künstlerischer Leiter der «SkyArena». Zur Einführung des Euro-Bargelds an Silvester 2001/2002 war bereits eine ähnliche Schau geplant, die aber dem Schock nach den Terroranschlägen vom 11. September zum Opfer fiel. «So was ist nur zu einer Fußball-Weltmeisterschaft oder einer Olympiade möglich», sagte Frankfurts Bürgermeister und Sportdezernent Achim Vandreike (SPD). «Das war einfach genial.» (Von Christian Ebner, dpa)

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