Kultur : Lieb dich selbst

Anthony B im Berliner Yaam am Ostbahnhof

Florian Zimmer-Amrhein

Das Yaam am Ostbahnhof ist eine Wohlfühloase für Menschen jeder Hautfarbe, ein Wallfahrtort der internationalen Reggaeszene. Ein ideales Biotop also für Anthony B, der sich auf heiliger Mission befindet. Der Jamaikaner und gläubige Rastafari mit dem Turban gehört seit den neunziger Jahren zur Elite der Conscious Reggae Bewegung. Seine Konzerte kommen Gottesdiensten gleich, im Namen von Jah (kurz für Jahwe, Gott) wird dessen Schöpfung besungen. Statt Schwulenhass und sexuell aufgeladenem Partygedöns stehen bei ihm wieder die altbekannten Universalbotschaften des Reggae im Mittelpunkt. One Love, No More War und, was der Künstler immer wieder emphatisch ausruft: Legalize It!

Die anwesenden Reggae-Jünger verstehen das als direkte Aufforderung zum Marijuanakonsum. Hunderte Joints glimmen auf, Fahnen und Handtücher werden wild geschwungen, unzählige Trillerpfeifen heben an zum Pfeifkonzert. Anthony Bs Stimme schwebt dabei wie ein erhabener Weihgesang über dem Partylärm. Neben Reggae-Evergreens wie „Police“ oder „World a Reggae Music“ spielt er zur großen Freude der Berliner Fans auch „Waterpumpee“, einen Song, den er 2002 gemeinsam mit Seeed aufnahm.

Das Postulat für diesen Abend lautet: Love Yourself. Nur dann könne man auch andere lieben, verkündet Anthony B während seines wirklich großartigen, zweistündigen Auftritts. „Schmeißt eure Hände in die Luft, schmeißt euren Stress weit von euch und genießt das Leben“, ordnet der Sänger an, bevor er mit „Crazy Life“ den letzten Hit des Abends anklingen lässt. Ausnahmslos alle Hände fliegen hoch. Florian Zimmer-Amrhein

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