Kultur : Liebe auf Sardinien

Um als verrückt zu gelten, braucht es nicht viel für eine Bauerstochter auf Sardinien. Es reicht, potenziellen Verehrern wilde Liebesbriefe zu schreiben oder stundenlang auf eine Tür zu starren. Die Eltern suchen schon nach einem Irrenhaus, als 1943 ein ausgebombter Witwer die Tochter heiratet. Die beiden arrangieren sich. Doch in der schönen Frau zehrt weiter die Sehnsucht nach der „Hauptsache“ – der Liebe. Sie findet sie schließlich bei einer Kur in Gestalt eines versehrten Kriegsheimkehrers. Milena Agus erzählt ihren zweiten Roman aus der Sicht der Enkeltochter ihrer namenlosen Heldin. Dadurch erhält die Geschichte einen liebevollen Ton. Die Stärke der Autorin, die als Lehrerin auf Sardinien arbeitet, liegt in der Prägnanz ihrer Charakterskizzen. Auf knapp 140 Seiten schafft sie so ein über vier Generationen reichendes, farbenfrohes Familienporträt. nal

Milena Agus: Die Frau im Mond. A. d. Ital. von Monika Köpfer. Hoffmann und Campe, Hamburg. 136 S., 14,95 €.

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