Kultur : Liebe in Blau

CHRISTINA TILMANN

Es gibt Filme, die sind grandios gescheitert."Winterschläfer" von Tom Tykwer war so einer, "Lost Highway" von David Lynch ebenfalls, und auch Rudolf Thomes "Tigerstreifenbaby wartet auf Tarzan" zählt in die Kategorie.Filme, in denen man sitzt, glücklich, weil es so etwas noch gibt: Kino, das Utopien wagt, und ganz große Sprünge, das nach den Sternen greift und den Mond vom Himmel holen möchte.Und Filme, denen man deshalb gern verzeiht, daß sie ihr hehres Ziel nicht erreichen, daß sie kläglich scheitern im lächerlichen Zwischendrin.

Das sieht in "Tigerstreifenbaby wartet auf Tarzan" dann so aus: Ein Außerirdischer kommt zurück in unsere Zeit, um eine Frau zu suchen.Er hat die junge Autorin Laura Luna im Blick, deren ersten Roman mit dem unmöglichen Filmtitel er in einer Bibliothek fand.Stattdessen aber läuft ihm die frischvermählte Luise über den Weg, die sich sofort in Frank verliebt: "Du riechst so gut." Das Trio zieht aus Berlin in eine ländliche Idylle mit Villa am See.Hier wird gepicknickt, getanzt und geliebt, in wechselnden Konstellationen.Wie bei Alice im Wunderland gibt es Riesenpilze, Gräserwälder und eine Schlange, die das zerbrechliche Paradies bewacht.Und Laura Luna kann in Windeseile ihren neuen Roman schreiben: "Utopisch leben".

Schräge Story, schwüle Atmosphäre also und eine schauspielerische Neuentdeckung.In der Rolle der Luise gibt Cora Frost ihr Leinwanddebüt, und sie gibt es mit einer herben Gelassenheit, die sie als würdige Nachfolgerin von Marlene Dietrich kennzeichnet.Die rauhe, dunkle Stimme, der leicht manierierte Tonfall bringen Fremdheit und Verletzlichkeit in diese heile Welt.Da wirken die anderen Figuren notwendigerweise blaß: Herbert Fritsch kann sich die Haare noch so blond färben, fremd wirkt er hauptsächlich deshalb, weil er die ganze Zeit einen supersteifen Anzug trägt.Und Valeska Hanel trägt mit ihrer gefälligen Schönheit dazu bei, daß der Film etwas softpornografische Züge bekommt.Ihr Buch "Tigerstreifenbaby wartet auf Tarzan" hat angeblich bis ins Jahr 4000 überlebt.Rudolf Thomes Film wird dieses Schicksal wohl nicht beschieden sein.Was aber "Rote Sonne" für die 68er und "Berlin Chamissoplatz" für die 80er Jahre waren, kann "Tigerstreifenbaby" für die 90er werden: Traum-Elixier einer Generation - Kult für die nächste.

Broadway, Brotfabrik, Klick, Hackesche Höfe, Moviemento

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