Kultur : Liebe: "In-Contenance" in der Palisa.de (Theater)

Philipp Lichterbeck

Um was es geht? Keine Ahnung, nicht so wichtig. Ein Mann, eine Frau. Sind ein Pärchen, ein Psychopärchen, ein Killerpärchen - ein stinknormales Pärchen. Absolvieren einen Rede-Marathon, eine Tour de Force der deutschen Sprache. Jagen sich mit Messern, treten sich, schlagen sich, machen sich nicht nackicht. Lieben sich unendlich. Heißen Kerstin Wachmann und Stefan Bergel. Er sagt: "In mir steckt ein nervöses Tier." Sie sagt: "Wenn Du dich nochmals bewegst, zerfällst Du zu Staub". Beide sagen: "Wir drehen uns im Kreis." Das ist natürlich ein Teufelskreis. Die Gesellschaft ist kalt wie eine Hundeschnauze, die Worte ergeben keinen Sinn. Kinder werden groß und ihre Träume grenzenlos. Zum Verrücktwerden, zum Austicken. Er hat dauernd einen Steifen. Sie will ihm da nicht behilflich sein. Meckern über den Autor des Stücks, Wilfried Happel. Der galt einmal als große Nachwuchshoffnung des deutschen Dramas und hat Stücke mit Titeln wie "Der Nudelfresser" oder "Das Schamhaar" geschrieben. Sein neues Stück heißt "In-Contenance". Das bedeutet die Contenance bewahren und zugleich verlieren. Handelt trotzdem von Schamhaaren und Fressen. Wird vom Stuekke Theater in der Palisa.de uraufgeführt (Palisadenstr. 48, am 21., 25., 27., 28., 31.10, 2. bis 4.11., 20 Uhr). Das ist in Friedrichshain. Nach Friedrichshain kommt man bald nicht mehr so einfach. Wachmann und Bergel wollen ein Flugzeug auf die Oberbaumbrücke lenken. Denn keiner riecht gemeiner als der gemeine Friedrichshainer. Wer denkt sich so was aus? Angeblich Autor, Regisseur und Schauspieler vor und während und nach den Proben. Man muss die Worte feiern, wie sie fallen. Wir waren acht Zuschauer. Und uns einig: Kamikaze-Theater. Die am schlechtesten besuchte beste Off-Aufführung aller Zeiten.

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