Kultur : Liebe ist doch das Letzte

Steffen Richter

über Affären und andere Ungeheuerlichkeiten Was waren das für Zeiten, als ein tapferer Müllerbursche hinging, seine Prinzessin aus der Gewalt des Drachens befreite, und die beiden am Ende einfach heirateten. Unserem aufgeklärten Bewusstsein kann man so nicht kommen. Wer Kant sagt, muss auch de Sade sagen. So lesen wir die unerhörte Novelle von Gregor Eisenhauer , die man eine Liebesgeschichte nicht nennen will. Sie erzählt von Jan und Elena, von sexueller Gewalt und den durchlässigen Grenzen zwischen Lust und Schmerz. Dafür, dass „Im Eis“ (Schwartzkopff Buchwerke) nicht zum Sado-Maso-Kitsch verkommt, sorgt die Geschichte, die in ihrer Ungeheuerlichkeit an Kleists „Marquise von O.“ erinnert. Und natürlich Eisenhauers poetisch dichte Sprache: „Glück löscht kein Unglück. Unglück löscht Unglück.“ Am 9.6. (21 Uhr) liest Eisenhauer im Buchhändlerkeller (Carmerstr. 1, Charlottenburg).

Von der nicht ganz so normalen Liebe berichtet Büchnerpreisträger Wilhelm Genazino . Sein in die Jahre gekommener Protagonist ergötzt als Wanderprediger in Sachen Kulturkritik das Publikum mit apokalyptischen Szenarien. Zugleich droht ihm ein amouröses Debakel, weil er glaubt, sich für eine seiner beiden Geliebten entscheiden zu müssen. Seine „Liebesblödigkeit“ (Hanser) wird zum aufschlussreichen Spezialfall einer allgemeinen Zivilisationsblödigkeit. Genazino kommt am 8.6. ins Ethnologische Museum Dahlem (19 Uhr 30, Lansstr. 8) . Am selben Tag liest Nina Bentz aus ihrem Debütroman „Liebe ist das Letzte“ (Elfenbein Verlag) in Britta Gansebohms Z-Salon (20 Uhr 30, Bergstr. 2, Mitte). Es geht, oha, um zwei Frauen und einen Mann.

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