Kultur : Lieben, irren, suchen

Sasha Waltz & Guests feiern 15. Geburtstag

Sandra Luzina

Als die Papier-Lampions, beschriftet mit lauter guten Wünschen für Sasha Waltz, in den Nachthimmel steigen, ist das ein erhebender Moment. Wie überhaupt die Zeremonie zum 15. Geburtstag von Sasha Waltz & Guests im Berliner Radialsystem ein gelungener, in jeder Hinsicht bewegender Abend ist. Am 18. September 1993 fand die Uraufführung von „Twenty to eight“ im Grand Theater Groningen statt – damit begann die sagenhafte Karriere der Sasha Waltz, die heute in Paris und Tel Aviv genauso gefeiert wird wie in Berlin. Mehr als 500 Künstler haben bei den Projekten im Laufe der Jahre mitgewirkt. Und bis heute mutet die Compagnie wie eine große Familie an – was sicher einen Teil ihres Erfolgs ausmacht. Viel künstlerische und politische Prominenz ist deshalb zur Geburtstagsfeier am Donnerstagabend erschienen, die das Motto „Waltz this way“ trägt.

Barbara Kisseler, die Chefin der Senatskanzlei des Landes Berlin, spricht allen aus dem Herzen, als sie sagt: „Ich bin sehr glücklich, dass Berlin das Zentrum von Sasha Waltz geblieben ist.“ Und sie deutet an, dass über die klamme Finanzierung des Ensembles noch nicht das letzte Worte gesprochen ist. Außenminister Frank-Walter Steinmeier, ein großer Waltz-Fan, ließ ein Grußwort überbringen. Die Publizistin Carolin Emcke charakterisiert sehr treffend die große Kunst der Sasha Waltz, indem sie ausführt, dass wir uns in ihren Werken „als Liebende, Irrende, Suchende“ wiederfinden.

Keine steifen Festreden, sondern persönliche Worte des Dankes dominieren an diesem Abend. Denn bei allem Erfolg hat Sasha Waltz sich ihre aufrichtige Offenheit bewahrt – und ihre Wärme. Auch die mehr als 30 Tänzer und Musiker überraschen die Choreografin mit ihren Darbietungen, den Programmablauf haben sie im Geheimen geprobt.

Als Sasha Waltz endlich die Bühne betritt, kniet sie zunächst in einer spontanen Geste vor ihren Tänzern nieder. Und kann bald die Tränen nicht mehr zurückhalten. Für die Standing Ovations bedankt sie sich in schlichten Worten: „Die Menschlichkeit, wie wir in der Welt stehen, das ist eigentlich alles, worum es mir in meinen Stücken geht.“ Deswegen wird Sasha Waltz in Berlin ganz dringend gebraucht. Sandra Luzina

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