Kultur : Lieber ohne Lukaschenko

Die Spaßband Krambambulya kommt ins Kato

Moritz Gathmann

Belarus gilt hierzulande nicht als Land der unbeschwerten Heiterkeit. Ein schnurrbärtiger Diktator namens Lukaschenko, graue Häuserblöcke, alte Mütterchen vor verfallenden Holzhäusern.

Ljawon Wolski, 42, trägt keinen Bart, außer für Bandfotos. Er ist Sänger der weißrussischen Spaßband Krambambulya, die heute im Kreuzberger Kato gastiert. Kaum ein junger Bewohner des Landes, der Wolskis markige Stimme nicht kennt – vor allem von den Protestsongs seiner ersten Band N.R.M. Bei Demonstrationen gegen Lukaschenko werden Lieder wie „Majo pakalenie“ („Meine Generation“) gern im Chor gesungen. Eins der Motive für die Gründung von Krambambulya: N.R.M. steht auf einer inoffiziellen schwarzen Liste der Regierung. Was bedeutet: keine Konzertgenehmigungen, keine Songs im Rundfunk, kein Geld.

Die andere Seite ist die psychologische. „Man darf nicht zu sehr in der Realität versinken“, sagt Wolski. Seit zwölf Jahren singen sie nun schon gegen Lukaschenko an, der das Land sozialistisch-autoritär regiert. Keine Lieder über Lukaschenko also. „Der singt doch am besten über sich selbst. Jeden Tag von früh bis spät im Fernsehen.“ Wolski lacht. Die sieben Mann von Krambambulya musizieren mit Herzblut: nicht über Wut und Frust, sondern über Absinth, Tequila – und Krambambulya, das höchstprozentige Getränk, das die Musiker 2002 in einem alten Kochbuch fanden und im Selbstversuch testeten: ein Mix aus Wodka, Pfeffer, Muskatnuss und Zimt. Die Wirkung hört man sich am besten live an. „Es gibt bei uns die Rockmusiker, die immer davon singen, wie schlecht alles ist, und es gibt die Popmusik über Sonne und Liebe. Wir stehen dazwischen“, erklärt Sjargej Kananowitsch, der Gitarrist mit der Rasta-Frisur. Mit Posaunen, Trompeten und Mandoline erzählen sie die Geschichte von „O’Conelly und seiner blauen Nase“, die immer blauer wird.

Unpolitischer geht es nicht, denkt man. Aber Krambambulya singen auf Belarussisch, und das allein gilt schon als regimekritisches Statement. Zudem ist Wolskis politische Einstellung kein Geheimnis: inzwischen hat auch Krambambulya unter Restriktionen zu leiden. Das meiste Geld kommt mit Betriebsfeiern in die Bandkasse, wenn’s sein muss, auch mal in einem Fleischkombinat. Dazu Gigs in den Nachbarländern Ukraine und Polen. In Russland gibt es ihren Hit „Gosci“ (Gäste) inzwischen als Klingelton.

Etwas haben die Musiker doch in Gang gesetzt mit ihrem Spaßprojekt: Eine einheimische Schnapsbrennerei produziert nun Krambambulya. Für Berlin hat Wolski ein paar Fläschchen im Reisegepäck. Moritz Gathmann

Mit Khoiba (Tschechien) und Drei Dnotes (Armenien) um 20 Uhr im Kato.

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