LIEBESFILM„Once“ : Der Klang der Straße

Sebastian Handke

In der Straßen von Dublin treffen ein irischer Staubsaugerreparateur (Glen Hansbury) und eine tschechische Rosenverkäuferin (Markéta Irglová) aufeinander. Er singt, sie hört zu, und weil beide eigentlich Musiker sind, schreiben sie bald Songs miteinander. Schließlich bringt sie ihn dazu, ein Studio zu mieten, um gemeinsam mit anderen Straßenmusikern einige Songs aufzunehmen und endlich in London sein Glück versuchen.

Diese sehr schlichte Handlung von „Once“ klingt nach typischer Musical-Ware. Und doch ist hier alles anders. „Once“ wurde auf eigene Faust produziert – mit winzigem Budget, Digitalkamera und Darstellern ohne Erfahrung. Ein modernes und realistisches Musical sollte es werden, ein Liebesfilm ohne falsche Romantik, in dem sich die Gefühle aber doch über Lieder vermitteln, die man sich gegenseitig vorsingt. Geht das überhaupt? John Carney ist dieses Kunststück gelungen: „Once“ ist einer der schönsten Liebesfilme seit langer Zeit.

Zunächst wollte Cillian Murphy („Sunshine“) die Hauptrolle spielen. Als Murphy absagte, machte Regisseur Carney kurzerhand den Komponisten zum Hauptdarsteller. Keine Notlösung, sondern ein Glücksfall: Glen Hansard war selbst einmal Straßenmusiker in Dublin und ist mit der tschechischen Musikerin Markéta Irglová eng befreundet: 2006 erschien das gemeinsame Album „The Swell Season“. Daher wirkt „Once“ so frei und unverstellt. Man könnte ihn für eine Dokumentation halten.

Markéta Irglová regiert diesen Film: Sie hat eine bemerkenswerte Präsenz vor der Kamera und gibt die tschechische Immigrantin als eine mutige Frau, die lernen musste, mit Armut zurechtzukommen – das perfekte Gegenstück zu ihm, der sich in seinem Kummer ganz gut eingerichtet hat. Da haben sich zwei gefunden: Schon ihr zweites Treffen führt die beiden in den kleine Instrumentenladen, dessen Besitzer die mittellose Musikerin in den Mittagspausen ans Klavier lässt. Sie improvisieren gemeinsam und es entsteht die Ballade „Falling slowly“ – eine bezaubernde Szene. Und doch lässt der Film keinen Zweifel daran, dass aus diesen beiden kein Paar werden kann. Ihre Zeit ist nur von kurzer Dauer, und kaum, ist dieser gemeinsame Moment verstrichen, findet auch „Once“ sein bittersüßes und doch hoffnungsvolles Ende. Man möchte es gleich noch einmal sehen. Und hören. Bezaubernd. Sebastian Handke

„Once“, Irland 2006, 85 Min., R: John Carney,

D: Glen Hansard, Markéta Irglová, Bill Hodnett

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