Kultur : Liebesgrüße aus Cottbus

KLASSIK

Frederik Hanssen

Angenommen, Sie sind Klassik-Fan und leben in Cottbus. Dann überkommt Sie vielleicht irgendwann die Lust, eine CD ihres örtlichen Orchesters zu verschenken. Nur leider hat das Philharmonische Orchester Cottbus keinen Schallplattenvertrag. Damit steht das Ensemble nicht allein. Seit die CD-Brennerei den Tonträgermarkt an den Rand des Kollapses geführt hat, binden sich die Firmen nur noch selten vertraglich an Orchester.

Einem Trend aus den USA und Großbritannien folgend, hat darum die Strecker-Stiftung aus Mainz jetzt ein Selbsthilfeprojekt ins Leben gerufen: Orchester.cd heißt das neue Label, das bei Schott Musik International produziert und von der Deutschen Orchestervereinigung propagiert wird. Das Ziel: Die facettenreichste Musiklandschaft der Welt zu dokumentieren. Für wenig Geld können sich hier auch kleine und mittlere Orchester ihre eigene CD herstellen lassen.

„Orchester.de“ funktioniert nach dem Prinzip des „books on demand“: Die Ensembles liefern ein fertiges Master-Band des Konzertmitschnitts samt Beihefttext und Fotomaterial, und Schott macht daraus das professionell produzierte Produkt. Gepresst werden die CDs immer dann, wenn sie nachgefragt werden. So haben die Orchester keinen Aufwand für Lagerkosten und Versand. Natürlich kann man die CD auch im Internet unter www.orchester.cd erwerben – Hauptverkaufsstelle soll aber die Abendkasse im lokalen Theater oder Konzerthaus sein. Nach einem besonders schönen Abend soll das Publikum sich sofort eine CD „seines“ Orchester kaufen können. Das Beethoven-Orchesters Bonn hat den Anfang gemacht. Mal sehen, ob die Cottbuser nachziehen. Hören lassen kann sich das Orchester des Staatstheaters auf jeden Fall.

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