Kultur : Liebesspiel in Farbe

Zum Tod des Berliner Malers Hans Laabs

Michael Zajonz

Seinem langjährigen Freund und Förderer Eberhard Roters gestand er einmal, Malen sei für ihn „eine aufregende, zum Glück ungefährliche Droge“. Der Berliner Künstler Hans Laabs blieb dieser Sucht über 60 Jahre lang treu, eine Stetigkeit, die der Gründungsdirektor der Berlinischen Galerie seiner franziskanischen Natur zuschrieb. Ein in die Tausende gehendes Œuvre – Gemälde, Arbeiten auf Papier, Fotografien – kündet von einer Dringlichkeit, die der heiter kammermusikalische Ton seiner Kunst leicht vergessen lässt.

Der 1915 in Hinterpommern geborene Hans Laabs war ein Kind jener Jahre, in denen es zur Glaubensfrage geriet, ob ein Maler abstrakt oder gegenständlich arbeitet. Er wollte sich darauf nie festlegen. Laabs malte Stillleben, Figurenbilder, immer wieder das Meer – und meinte wohlmöglich das, was thematisch und formal dazwischenliegt. Denn an seiner Umwelt begeisterte ihn die Koexistenz farbiger Flächen. Scheinbar abstrakte Kompositionen beziehen ihre Energie aus einer Wirklichkeitserfahrung, die wie die Realität eines Traumes erscheint. Und das, ohne den seinerzeit modischen Zwang zum psychologischen Automatismus, den die Surrealisten gepredigt hatten.

Die Bilder von Laabs pfeifen auf Diskurse, sind ganz Malerei. In ihrer Unmittelbarkeit steckt immer auch ein Stück Melancholie. Eine Melancholie, die, wie Jörn Merkert es einmal formulierte, zu einem „sehr speziellen, spirituellen Gewürz der Lebensfreude“ geworden ist. Als die Berlinische Galerie zum 80. Geburtstag 1995 eine Retrospektive im Gropius-Bau zeigt, wird zudem ein Wissen um die handwerklichen Grundlagen der Kunst sichtbar, das selten geworden ist.

Bis zur Einberufung 1940 studiert der auch musikalisch begabte Beamtensohn an der Kunstgewerbeschule in Stettin Gebrauchsgrafik (bei Vincent Weber). Ab 1945 nimmt er neben der Ausbildung an der Berliner Hochschule der Künste privaten Unterricht (bei Oskar Moll). Doch weder der ehemalige Bauhäusler Weber noch Moll, der „deutsche Matisse“, vermögen ihn sichtbar zu prägen. Mit den enigmatischen frühen Knabenbildnissen oder den Berliner Landschaften, die um 1950 als Auftragswerke eines Fonds notleidender Künstler entstanden sind, tritt uns ein fertiger Maler entgegen. Mit dem eigentümlich gedämpften Berliner Nachkriegs-Surrealismus eines Trökes oder Zimmermann haben seine Sujets nur wenig gemein.

Hans Laabs, der sich selbst als artistischer Vagabund sah, hat stets auf spontane Eingebungen reagiert. 1949 gründet er mit anderen das „Künstlerkabarett in der Badewanne“, das als Kellerlokal in der Nürnberger Straße zum Mittelpunkt der Berliner Existenzialisten-Szene wird. 1953 geht Laabs nach Ibiza, wo er drei Jahrzehnte bleibt. „Wenn ich 90 bin“, erklärte er ironisch, „werde ich aufhören zu malen. Und dann all die Reisen machen, die ich wegen der Bilder nicht machen konnte.“ Dazu ist es nicht gekommen. Hans Laabs starb, wie erst jetzt bekannt wurde, am 31. Januar im Alter von 89 Jahren in Berlin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben