Kultur : Liebhaber, Lebemann: Der Schauspieler

Er war ein Herr der alten Schule, der wie so mancher in Vergessenheit geratene Star in Fassbinder-Filmen eine zweite Karriere erlebte. Sein französischer Akzent blieb im Ohr. Ivan Desny, der in Peking geborene russischstämmige Schauspieler mit französischem Pass, galt immer als Frauenschwarm. Am vergangenen Samstag ist Desny im Alter von 79 Jahren in Ascona in der Schweiz gestorben. Über die Todesursache ist nichts bekannt. Vor einigen Wochen war Desny wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus gekommen.

Der Sohn eines russischen Diplomaten wuchs in Paris bei seinem Stiefvater auf. Ein Studium der Rechtswissenschaften brach er ab und nahm Schauspielunterricht. Der britische Regisseur David Lean holte Desny 1951 für "Madeleine" vor die Kamera. Michelangelo Antonionis Film "Die große Rolle", "Lola Montez" von Max Ophüls und "Schicksalssinfonie" waren bekannte Filme, in denen Desny in den 50er und 60er Jahren spielte. Später ging er auf Theatertourneen, unter anderem mit Nadja Tiller, und arbeitete viel für das Fernsehen. In den 70er Jahren fand er zum Kino zurück, in Fassbinders "Die Ehe der Maria Braun" (1978) als Industrieller und Liebhaber von Hanna Schygulla sowie in Fassbinders Fernsehproduktionen "Welt am Draht" und "Berlin Alexanderplatz". In Jeanine Meerapfels Spielfilm "Malou" (1980) hatte Desny neben Ingrid Caven die Hauptrolle. 1980 erhielt der Monsieur mit dem markanten Oberlippenbärtchen ein Filmband in Gold für sein langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film.

Einen seiner letzten großen Kinoauftritte hatte Ivan Desny 1996 in André Techinés Psychodrama "Diebe der Nacht" (Les Voleurs) mit Catherine Deneuve und Daniel Auteuil. Darin spielte er seine wohl bekannteste Rolle: den Grandseigneur. Elegante Autorität war sein Markenzeichen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben