Kultur : Lieder vom Ende der Welt

FILM

Hans-Jörg Rother

Einst weckten KarKars Lieder jeden Morgen im Radio ganz Mali auf. Nach dem Sturz des sozialistischen Präsidenten Modibo Keitas im Jahr 1968 verschwand der schlecht bezahlte „afrikanische Elvis“ in der Provinz. Als seine Frau stirbt, geht Boubacar Traoré als Bauarbeiter nach Frankreich. Seine Kameraden müssen ihn stoßen, damit er auf den Anruf eines englischen Produzenten reagiert.

In Mali Blues unternimmt der Sänger mit dem Schweizer Dokumentarfilmer Jacques Sarasin eine Reise in die Vergangenheit. Traoré sagt während der Reise nicht ein Wort über sich, aber gerade dies verleiht dem Film Spannung. Die sanfte Stimme des Sängers klingt, als käme sie aus einer anderen Welt. Am Ende, wenn KarKar nahe Timbuktu vor den Mauern eines gewaltigen, nie fertiggestellten Schulgebäudes auftritt, sieht es so aus, als wäre der Film an ein versöhnliches Ende gelangt. Um so härter wirkt die Überblendung auf das triste Gelände im französischen Montreuil, wo sich Abend für Abend die malinesischen Gastarbeiter treffen. KarKar singt nicht von der verlorenen Zeit und schon gar nicht vom Scheitern der kühnen Hoffnungen in seinem Land. Er singt von der Liebe zu Pierrette. Auf die Trauer um sie ist sein Leben zusammengeschmolzen. Wieder hat Sarasin eine glückliche Regiehand. „African Blues“ ist ein Gedicht, das die Kamera schrieb (in Berlin in den Hackeschen Höfen, Filmbühne am Steinplatz, Eiszeitkino, alles OmU).

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