Liederabend : Atonalnatur in der Staatsoper

Einen exquisiten Liederabend geben Katharina Kammerloher, langjähriges Ensemblemitglied der Staatsoper, und ihr Begleiter Neville Dove im Apollosaal.

Christiane Tewinkel

Glücklich ist schon die Programmwahl, mit „Liebe, Nacht und Traum“ mehr enzyklopädisch als griffgenau überschrieben, vom Untertitel „Ein Liederabend mit jüdischen Komponisten“ eher willkürlich geklammert: Mendelssohns vertonter Heine, Korngold gleitet mit Eichendorffs „Schneeglöckchen“ harmonisch lustvoll aus, Erich Eisl (1905– 1959) arbeitet mit dem Detektivvögelchen von Mörikes „Ein Stündlein wohl vor Tag“ oder Schönberg mit Georges „Hängenden Gärten“.

Glücklich ist auch Kammerlohers Interpretation, nach außen hin zwar maniriert (die starke Mimik, die haltend-wehrenden Hände, wie die einer Balletttänzerin, die eben etwas Befremdliches sieht), zudem kreativ in der Tonfindung beim Schönberg, was immerhin kaum auffällt. Doch tönt ihr Mezzosopran geschmeidig wie ein Schokoladenbrunnen, stark auflodernd dann wieder in den Spitzentönen, feinnervig in den Pianissimi. Große Sorgfalt muss hinter der Aneignung dieses Repertoires gestanden haben. Neville Dove gibt nach dem viel zu zurückhaltenden „Auf Flügeln des Gesanges“ mehr Kraft, greift bei der „Nachtwanderer“-Ballade schwer in die Tasten, lässt sich mit Kammerloher ein auf die süffige Spätsommerlichkeit der Korngold’schen Vertonung von Versen wie „Und ich halte still und lebe, während Träume mich umspinnen“ oder auf eine Interpretation der „Hängenden Gärten“, die einfach so tut, als sei „freie Atonalität“ das Allernatürlichste der Welt. 

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