Kultur : Liedermacher Ludwig Hirsch ist tot

Foto: Herbert Neubauer, dpa
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Wien ist die Hauptstadt des Morbiden. Ludwig Hirsch, der 1946 in der Steiermark geboren wurde und in der Wiener Leopoldstadt aufwuchs, hat in seinen „dunkelgrauen Liedern“ immer wieder – halb ironisch, stets poetisch – den Tod besungen. Sein bekanntestes Stück heißt „Komm großer schwarzer Vogel“. „Spann’ Deine weiten, sanften Flügel aus und leg’s auf meine Fieberaugen“, wünscht er da sehnsüchtig. „Bitte, hol mich weg von da, und dann fliegen wir rauf, / Mitten in den Himmel rein, in a neue Zeit, in a neue Welt, / Und ich werd’ singen, ich werd’ lachen.“

Der Liedermacher absolvierte ein Grafikstudium und eine Schauspielausbildung und gehörte vier Jahre zum Ensemble des Theaters in der Josefstadt, bevor er sich ganz auf seine Gesangskarriere konzentrierte. Seine Musik changierte erfolgreich zwischen der Tradition des Wiener Lieds und Austropop. Bereits 1993 wurde Hirsch von der österreichischen Post mit einer Briefmarke geehrt, sein Album „In Ewigkeit Damen“ kletterte 2004 bis auf Platz 4 der österreichischen Charts.

Am Donnerstagmorgen wurde Hirsch unterhalb eines Fensters des Wiener Wilhelminenspitals tot aufgefunden, wie ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Die Polizei geht von Selbstmord aus.“ Hirsch wurde 65 Jahre alt. Er befand sich seit einer Woche zur Untersuchung im Krankenhaus und soll an Lungenkrebs gelitten haben. Die Todesnachricht löste in der Wiener Kulturszene einen Schock aus. Freunde und Bewunderer zeigten sich betroffen. Kulturministerin Claudia Schmied schrieb, Österreich verliere „eine wichtige Stimme der Gegenkultur“. Hirsch sei Teil der österreichischen Seele. „Er entlarvte diese Welt als Scheinwelt und trotzte allen Anpassungsbestrebungen“. chs

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