Kultur : Liedertafel

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SOTTO VOCE

Jörg Königsdorf

hat keine Angst vor Hugo Wolf

Vermutlich gibt es kaum ein besseres Beispiel als die Gedenktage großer Komponisten, um die Verselbstständigung des KlassikBetriebs zu zeigen. Kaum dräut mal wieder ein runder Gedenktag, geraten Plattenfirmen, Musikwissenschaftler und Künstler in Unruhe: Irgendetwas muss passieren – eine CD-Edition, eine Konzertreihe, ein Symposion oder was auch immer. Dabei hat die Musik selbst mit solchen biografischen Anlässen eigentlich gar nichts zu tun: Entweder ist sie so gut, dass sie auch ohne Gedenktage bestehen sollte, oder eben nicht – und dann kann man sich auch den Feieraktionismus schenken. Die Rückwirkung auf das Publikum ist ohnehin fraglich: Ein Jahr lang wird es mit Werken eines Komponisten überfüttert, dann ist wieder Diät angesagt. Im Fall von Hugo Wolf , dessen 100.Todestag sich morgen jährt, ist der Fall besonders heikel, weil schon ein einziges gutes Wolf-Lied genug Kunst konzentriert, um einen eine ganze Zeit lang zu beschäftigen (was übrigens auch für den Interpreten gilt). Zwei Wolf-Abende im Abstand von nicht mal 24 Stunden wären da eine glatte Überforderung. Die Entscheidung, ob der britische Startenor Ian Bostridge am Sonnabend oder der Bariton Dietrich Henschel mit dem zweiten Teil seines Wolf-Zyklus in der Komischen Oper (23.2.) den Zuschlag bekommen soll, hat allerdings eine höhere Gewalt entschieden – das Bostridge-Recital fällt wegen Erkrankung aus. Und wer noch mehr Wolf will, kann sich am Sonntag im Konzerthaus die sinfonische Dichtung „Penthesilea“ in der Fassung für zwei Klaviere (mit dem Klavierduo Stenzl ) anhören. Denn es soll ja Leute geben, die einfach nicht genug bekommen.

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