Kultur : "Light Pieces" - Lichtkünstler dreier Generationen in einer Schau vereint

Jeannot Simmen

Das 20. Jahrhundert war das der Elektrizität. Eine künstliche Energie löste die natürlichen Verbrennungs- und Antriebsstoffe ab. Tausende farbige Glühbirnen empfingen die Besucher im "Elektrizitäts-Palast" auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900. Bildende Künstler schufen um 1930 neuartige, "kinematische", also bewegte Kunstwerke. Mit dem "Licht-Raum-Modulator" des Ungarn László Moholy-Nagy wurde das Kunstwerk als Objekt immaterialisiert, die bewegten Schatten auf den Wänden bilden das Werk. 1963 montierte der amerikanische Künstler Dan Flavin eine handelsübliche Neonröhre schräg an die Wand und schuf damit die Ikone der Elektrokunst.

"Light Pieces" dreier Künstler-Generationen zeigt das nun Forum aktueller Kunst im "Casino Luxembourg". Überragend ist die 1951 entstandende Arbeit von Lucio Fontana: Eine lange Neonröhre hängt wie eine riesig-verschlungene, weiße "Spaghetti" an der Decke. Sphärisch erscheinen Otto Pienes Werke, die seit 1979 entstanden und ein planetarisches Lichtspiel auf die Wände werfen.

Von den Künstlern der mittleren Generation setzt Michel Verjux präzise, kaltleuchtende Scheinwerferkegel auf die Besucher. Der Düsseldorfer Künstler Mischa Kuball verzaubert die Besucher mit seinem "Projektionsraum 1:1:1". Ein poetisches Ensemble farbiger Grundfiguren durchstreift als Bilderfolge die Wände. Bei den Künstlern der jüngsten Generation wird ein verspieltes Verhältnis zum Kunstlicht sichtbar. Unsichtbares Schwarzlicht schafft illusionäre Figuren. Präsentiert werden rund zwanzig prägnante Werke, sie geben einen Überblick über insgesamt fünfzig Jahre Lichtkunst.

Das Geschäft, Kunstwerke auszustellen, ist heute weit schwieriger als einst. Die pure Reihung von Meisterwerken ergibt nur noch eine gutaussehende Perlenkette. Ebenso schwierig sind die thematischen Felder. Inzwischen ist alles beackert: vom göttlichen Gold bis zu den unmittelbaren Tätowierungen. Licht als Medium bietet da eine neue Chance. Heute allerdings ist die Elektrizität nicht nur Licht, sondern dient dem globalen Datentransport durch Elektronen. Im virtuellen Raum der Monitore entstehen mutierende Bildwelten, jenseits dem auratischen Originalwerk. Kunst wird visuelle Kommunikations-Gestaltung und Kommunikation zur informationstechnischen Kunst.Casino Luxembourg, Luxemburg, bis 26. März. Katalog erscheint später.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben