Kultur : Lili Taylor im Gespräch: Die Chaostheoretikerin

Sind Sie gut im Kopfrechnen?

Lili Taylor (33) ist Spezialistin für das Schräge: Sie war zu sehen als durchgeknallte Akkordeonspielerin, philosophierende Vampirin oder gewalttätige Feministin. In "Julie Johnson" spielt sie eine Hausfrau und Mutter, die ihre Liebe zur Wissenschaft entdeckt - und zu ihrer Nachbarin.

Sind Sie gut im Kopfrechnen?

Nein, gar nicht. Soll ich etwa eine Aufgabe lösen? Ich habe nicht die mathematische Gabe von Julie. Aber mich faszinieren Chaostheorie und Quantenmechanik.

Für Julie ist Wissenschaft ein Weg zur Emanzipation. Valerie Solanas, die Sie in "I shot Andy Warhol" gespielt haben, hatte radikalere Vorstellungen von Emanzipation. Heute wirkt jemand wie sie altmodisch. Brauchen wir die Frauenbewegung noch?

Mehr denn je. Schauen Sie nur auf die USA: Wir könnten das Recht auf Abtreibung verlieren. Dagegen werde ich auf die Straße gehen und Briefe schreiben. Ich habe George W. Bush schon eine E-Mail geschrieben, in der ich ihm mitteile, dass ich im Namen der Frauen in seiner Familie eine Spende an eine Abtreibungsklinik überwiesen habe.

Haben Sie als Kind je zu hören bekommen: Dies und das kannst Du nicht machen, weil du ein Mädchen bist?

Ich war ein totaler Tomboy und habe mir einfach nicht verbieten lassen, Schach oder Billard zu spielen. Wenn meine beiden älteren Brüder das versucht haben, habe ich es trotzdem gemacht und bin nicht in die Küche zum Kochen gegangen.

Es gibt in Julie Johnson auch eine Beziehung zwischen zwei Frauen. Sie haben in Robert Altmans "Prêt-à-porter" schon einmal eine lesbische Frau gespielt. War das eine Hilfe?

Sie war eine ganz andere Art von Lesbe. Noch eine andere habe ich in einem spanischen Film gespielt: sehr rau und stolz. Ich habe viele lesbische Freundinnen: Die kann ich fragen, wenn ich solche Rollen habe.

Sharon Stone hat mal zu ihnen gesagt: "Sie lassen dich immer interessant aussehen, dabei bist du schön. Hätten Sie es manchmal lieber andersherum?

Wenn es für die Rolle wichtig wäre, würde ich natürlich gerne eine Frau spielen, die sich aufwendig stylt. Aber für Julie Johnson wäre das einfach nicht angebracht. Ich bin lieber wahrhaftig als hübsch.

Sie arbeiten oft mit europäischen Regisseuren zusammen. Was unterscheidet sie von den amerikanischen?

Hier liegt die Betonung auf der Kunst, nicht auf dem Geld. Es gibt größere Freiräume für Dinge, die man nicht erklären kann. In Amerika fragen alle sofort: Was bedeutet das?

Woran arbeiten sie im Moment?

Seit Dezember drehe ich in Prag. Es wird ein Film über Anne Frank. Ich spiele eine der Frauen, die die Familie versteckt hat.

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