lit.Cologne : Literaturmesse würdigt die TV-Familie Simpson

Ist Homer Simpson, der korpulente Antiheld aus der Zeichentrickserie "Die Simpsons", ein Wiedergänger des antiken Odysseus? Es war schon eine gewagte These, die Kulturjournalist Willi Winkler auf dem Simpsons-Symposion der lit.Cologne aufstellte.

Simpsons
Die Simpsons: Subversives Spiel der Signifikanten. -Foto: dpa

KölnNicht nur der Vorname des schlicht gestrickten Kernkraft-Technikers verweist auf das frühe Meisterwerk der Weltliteratur, behauptete Winkler: "Wie Odysseus irrt Homer Simpson im Labyrinth seiner Unwissenheit, seiner Ängste und seines Aberglaubens". 1989 hatten die "Simpsons" ihre Erfolgsgeschichte im amerikanischen Fernsehen begonnen, seit 1991 nehmen auch deutsche Fernsehzuschauer an ihrem Leben teil. Mit über 400 ausgestrahlten Episoden handelt es sich inzwischen um die am längsten laufende US-Zeichentrickserie. Unlängst wurden die "Simpsons" von den Lesern des "Time"-Magazins zur besten Fernsehserie aller Zeiten gewählt.

Anlass genug für das internationale Literaturfestival lit.Cologne, dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Auf demselben Rheinschiff, auf dem schon Papst Benedikt XVI. an der Kölner Skyline vorbeifuhr, diskutierten nun Wissenschaftler und Psychologen mit Bart Simpson, dem schwer erziehbaren Spross der Fernsehfamilie - hervorragend vertreten durch seine deutsche Stimme, Sandra Schwittau. Wenn sie vor dem überwiegend studentischen Publikum mit kieksender Stimme den Bart gab, kamen die rund 600 Zuhörer ganz auf ihre Kosten.

Homer: Vom Nichtskönnen leben

Ihnen wurde auch die erste jemals ausgestrahlte Episode der Serie vom 17. Dezember 1989 gezeigt. Hier bringt Mutter Marge Simpson ihre Kinder Bart, die sensible und hochbegabte Lisa und den dauernuckelnden Säugling Maggie liebevoll ins Bett. Dabei singt sie allerdings so gruselige Wiegenlieder, dass sich der alptraumgeplagte Nachwuchs schreiend ins Ehebett von Marge und Homer flüchtet. Diese sind sich jedoch ihrer Sache sicher: "Wir sind die besten Eltern der Welt." Das sei typisch für die Zeichentrick-Familie aus der fiktiven Kleinstadt Springfield, findet Willi Winkler. Der notorisch faule und genusssüchtige Simpel Homer sei tatsächlich auf seine Weise ein glücklicher Mensch: "Homer kann nichts, schafft es aber damit, seine Familie zu ernähren". Zugleich beruhigte Winkler die Zuhörer im ausverkauften Hauptdeck des Literaturschiffs: "Der denkende Mensch vergibt sich nicht, wenn er die Simpsons ansieht."

Die Autoren Jakob Hein und Falko Hennig widmeten sich zuvor dem auffallend hohen Drogenkonsum in der Serie. "Simpsons"-Erfinder Matt Groening und seine engsten Mitarbeiter hätten zu ihren Hochschulenzeiten in den 1970er-Jahren womöglich selbst nicht ganz drogenabstinent gelebt, lautete ihre These. Beide warnten eindringlich vor dem in der Serie gerne kredenzten "Duff"-Bier - offenbar eine äußerst dubiose Plörre. Kunsthistoriker Henry Keazor lobte die Bezüge zur Kunst, die ständig in der szenischen Umsetzung des "Simpsons" auftauchten, unter anderem in Verweisen auf Dali, Picasso, Monet, Botticelli und da Vinci: "Für mich sind die 'Simpsons' nicht nur Kunst. Sie sind sogar große Kunst".

"Friss meine Shorts"

Auch Sandra Schwittau bemühte sich, dem Erfolg der Serie auf den Grund zu gehen: "Ich denke, die 'Simpsons' sprechen alle Generationen an. Die Kinder haben ihren Spaß an dem Klamauk und dem Slapstick. Dafür amüsieren sich die Erwachsenen über die zahlreichen Anspielungen auf Politik und Gesellschaft." Beim Casting vor über 20 Jahren habe sie schon sehr auf die Rolle des Bart gehofft, verriet die 38-jährige Schauspielerin, die ansonsten auch Eva Mendes, Renée Zellweger oder Oscar-Preisträgerin Hilary Swank synchronisiert. Die Begeisterung für ihren gelbgesichtigen Helden hat über die Jahre nicht nachgelassen: "Ich habe eigentlich immer Lust auf Bart". Und natürlich blieb ihr auch das Schlusswort des Abends, mit einem echten und umjubelten Bart-Simpson-Spruch: "Friss meine Shorts."

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