LITERARISCHER GEBURTSTAGAdolf Endler wird 77 : Die aparte Urne

Gregor Dotzauer

Ausgerechnet einen 77. Geburtstag zu begehen, passt auch nur zu einem Dichter wie Adolf Endler. Endler alias der „Tarzan am Prenzlauer Berg“. Alias Bubi Blazezak. Alias Bobbi „Bumke“ Bergermann – oder mit welchen Identitäten Endler sonst noch sein Spiel getrieben hat. Schließlich war auch das eigene Alter für ihn immer Anlass zu literarischen Imaginationen: ob er in „Schichtenflotz“ Geschichten „aus dem Seesack eines Hundertjährigen“ zum Besten gab oder als 22-Jähriger in sein Tagebuch notierte: „Wenn es mir gelingt, älter als dreißig Jahre zu werden, dann werde ich ein bedeutender Dramatiker. – Dies mit achtzig nachlesen!“

Endler, am 10. September 1930 in Düsseldorf geboren, gehört zur Spezies der West-Ost-Flüchtlinge. Die Bundesrepublik fand er so ungemütlich, dass er 1955 zum Studium ans Johannes-R.-Becher-Institut in Leipzig, das heutige Literaturinstitut, ging. In der DDR wurde er aber auch nicht wirklich heimisch. Als sozialistischer Freigeist rieb er sich immer wieder an der bornierten Kulturpolitik seines Landes – und dass er es öffentlich tat, gegen abstrakte Kunstanforderungskataloge und von oben geplante Literaturgeschichte, mündete zuletzt, 1979, in den Ausschluss aus dem Schriftstellerverband. Sibylle Cramer rekapituliert nun mit dem Jubilar dessen Leben und stellt dabei auch Endlers jüngsten Gedichtband „Krähenüberkrächzte Rolltreppe“ (Wallstein) vor. Darin findet sich auch das Gedicht „Die Urne“: Grüß Gott! rief ich, Tach!, /Als ich sie herbeitorkeln sah, / Die aparte graugelbe Urne „A.E.“; / Und, wie jeder sich denken kann, / Nicht ganz ohne misslichen Riss /Dieses Dings – /„You’re welcome!“ Gregor Dotzauer

Literaturwerkstatt, Do 20.9., 20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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