Kultur : Literatur: Das kleine Quiz des Islam

Semiran Kaya

"Mohammedaner", Moslem oder Muslim? Verwirrung und Unkenntnis, die sich zumindest seit dem 11. September etwas gelegt hat, aber immer komplizierter wird. Noch nie hat es einen so großen Ansturm auf Bücher gegeben, die den Titel "Islam" oder "Fundamentalismus" tragen. Schließlich will doch jeder wissen, was die Attentäter mit dem Islam gemeinsam haben und ob der Koran, der zwei Tage später im Buchhandel nicht mehr lieferbar war, dies zulasse. Fragen, die gute Bücher beantworten können.

Weil aber der normale Leser bei diesem Thema fundierte Sachbücher nicht von Klischee-Auflagen unterscheiden kann, werden weitaus mehr Sensationsbücher wie "Das Schwert des Islams" oder "Heiliger Krieg für Allah" nachgefragt und verlegt. Auch beteiligen sich mittlerweile einfache Zeitungshändler am Verkauf von Pseudo-Aufklärungsbüchern über den "Islam". Dabei mangelt es keineswegs an jenen Büchern über den Islam, die eine seriöse Analyse, Hintergründe und komplizierte Zusamenhänge einfach und lesbar liefern.

Das "Kleine Islam-Lexikon", das kürzlich bei Beck erschienen ist, gehört zu jener Gattung, die einen Einblick in die Geschichte, Alltag und Kultur der islamischen Welt gibt. Über 30 Autoren der Islamwissenschaften und Orientalistik haben bei diesem Buch für den Leser in kurzen Beiträgen die Spreu vom Weizen getrennt: Länderanalysen, die Glaubenslehre und -praxis und ihre jeweiligen Kulturen. Und weil der Islam nicht nur eine Relgion ist, greift es die wichtigsten Aspekte islamischer Gesellschaften auf. Gesellschaften, die sich sowohl in der islamischen Welt als auch in Deutschland wiederfinden.

Ein positiver Schwerpunkt des Lexikons gilt dem Islam in Deutschland. Hier findet der Leser sowohl eine Länderanalyse zu Deutschland und seinen Muslimen als auch zu Organisationen wie Mili Görüs und DITIB. Auch wenn nicht ersichtlich wird, nach welchen Kriterien die Auswahl der Stichpunkte erfolgte, überzeugt dennoch die Ausarbeitung des Ansatzes: Gut und kurz über das Verhältnis der Muslime zum Westen oder die Rückwirkungen auf das interkulturelle Zusammenleben in Deutschland zu informieren. Obwohl offen bleibt, inwieweit der Islam in Deutschland sich innerhalb der Minderheitengruppen organisiert und die Zahl der eingebürgerten Muslime mit der der deutschstämmigen verwechselt wurde, überzeugt das kleine Lexikon durch die große Anzahl von Artikeln zum modernen islamischen Denken.

Nationale Minderheiten wie Kurden oder Bahai finden sich ebenso wieder wie Sprachen und Literaturen, Kino, Kunst, Fragen der Kleidung, Sexualität und Beerdigungsrituale. Stichpunkte, die zwar die nationale und kulturelle Vielfalt der Muslime verdeutlichen, deren weiterführende Literatur aber teils nur einem Fachpublikum zugänglich ist. Ein Nachschlagewerk, das nicht jedem gerecht werden kann, wie der Herausgeber selber bemerkt, aber dem Leser dabei hilft, den Sinn vom Unsinn der Informationen über den Islam einzuordnen und Gefühlsduseleien durch Talkshow-Schlachten keinen weiteren Raum bietet.

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