Literatur : Littell mit Erstling zum Goncourt-Preis

Ein Sensationserfolg in Frankreich: Der US-Autor Jonathan Littell hat mit seinem Erstlingswerk "Les Bienveillantes" ("Die Wohlmeinenden") Frankreichs angesehensten Literaturpreis Prix Goncourt gewonnen.

Paris - Wie die Goncourt-Jury in Paris mitteilte, setzte sich der 39-Jährige mit den fiktiven Memoiren eines SS-Mannes in der letzten Runde unter anderem gegen Michel Schneiders Marilyn-Monroe-Buch "Marilyn, Dernières séances" durch. Zum Auftakt der Buchpreis-Saison in Frankreich hatte Littell eineinhalb Wochen zuvor bereits den Romanpreis der Académie française erhalten.

In "Les Bienveillantes" beschreibt Littell auf 900 Seiten das Leben eines SS-Offiziers, der nach dem Krieg ohne Reue auf seine Untaten zurückblickt und damit ein detailliertes Bild der Verfolgung und Vernichtung der Juden unter dem Nationalsozialismus zeichnet. Das auf Französisch verfasste Werk ist in Frankreich seit seinem Erscheinen zum Ende der Sommerferien mit fast 250.000 verkauften Exemplaren ein Sensationserfolg. Der Poker um die internationalen Rechte waren eines der großen Themen der Frankfurter Buchmesse. Auf Deutsch soll das Buch nächstes Jahr beim Berlin Verlag erscheinen.

Lob der Kritiker

Littell ist der Sohn des Spionageroman-Autors Robert Littell. Der Spross einer jüdischen Familie wuchs in Frankreich auf und studierte in den USA. Inzwischen lebt er in Barcelona. Vor seinem Romandebüt war er 15 Jahre lang für humanitäre Organisationen in Konfliktgebieten in der Welt unterwegs. In Frankreich wurde "Les Bienveillantes" überschwänglich gelobt. Kritisiert wurde der Roman aber unter anderem von "Shoah"-Filmemacher Claude Lanzmann. Das Buch ist aus der Ich-Perspektive des intellektuellen SS-Mannes Max Aue geschrieben; nach Ansicht von Kritikern könnte es Verständnis für den Holocaust wecken.

Während Littell nun doppelt ausgezeichnet wurde, hatte Schneiders "Marilyn, Dernières séances" auch beim anderen noch ausstehenden litarerischen Groß-Event in Frankreich kein Glück: In der zehnten Abstimmungsrunde für den Prix Renaudot scheiterte es denkbar knapp. Der Franko-Kongolese Alain Mabanckou erhielt letztlich mit sechs gegen fünf Stimmen den Renaudot für "Mémoires de porc-épic" (wörtlich: Memoiren des Stachelschweins). Dabei gab es eigentlich ein Patt zwischen den Juroren; die Stimme des Jury-Chefs zählte aber doppelt. Der aus dem Kongo stammende Mabanckou unterrichtet seit 2002 französischsprachige Literatur in seiner Wahlheimat USA. (tso/ddp)

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