Literatur : Robert Gernhardt ist tot

Der Schriftsteller, Satiriker und Karikaturist Robert Gernhardt ist im Alter von 68 Jahren gestorben. Gernhardt galt als einer der wichtigsten Lyriker der Nachkriegszeit.

Frankfurt/Main - Robert Gernhardt erlag am Freitagvormittag einem Krebsleiden. Er starb bei sich zu Hause in Frankfurt am Main, wo er seit 1964 lebte. Politiker und Kulturschaffende aus ganz Deutschland würdigten den Verstorbenen als einen der bedeutendsten Vertreter seiner Zunft.

Gernhardt gehörte, zusammen mit den in den vergangenen beiden Jahren gestorbenen Chlodwig Poth und F.K. Waechter, 1979 zu den Mitbegründern der Satirezeitschrift "Titanic". Er war außerdem eines von acht Mitgliedern der legendären Satirikergruppe "Neue Frankfurter Schule", deren Name ironisch auf die erste "Frankfurter Schule" des Soziologen und Philosophen Theodor W. Adorno (1903-1969) anspielte.

Anfang der 80er Jahre gelang Gernhardt der Durchbruch zum "anerkannten Gegenwartsliteraten", wie er selbstironisch bekundete. Kinderbücher, Zeichnungen, Gedichte, Essays und Erzählungen, sogar ein Bühnenstück und ein Roman bewiesen, dass Gernhardts Schaffen nicht nur auf das Humor-Fach beschränkt war.

Für seine Leistungen wurde der 1937 im estnischen Reval geborene Künstler mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er 1998 den Bert-Brecht-Literaturpreis, 1999 den Erich-Kästner-Literaturpreis und 2004 den Joachim-Ringelnatz-Preis. Ebenfalls 2004 bekam Gernhardt den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf überreicht - als "kritischer Beobachter, Dichter und Karikaturist der deutschen Zustände", wie es zur Begründung hieß.

"Mit Robert Gernhardt verliert die deutsche Literatur einen ihrer Größten. Wer sonst in der Gegenwartsliteratur hat es geschafft, alle anzusprechen, zu berühren, ja zu begeistern: von der ernsten Literaturkritik bis zu Schülern, die zum ersten Mal Gedichte lesen", erklärte Bundespräsident Horst Köhler in einem Kondolenzschreiben an die Witwe des Künstlers.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte, Gernhardt habe es verstanden, den Ernst des Lebens mit ironischer Distanz zu beschreiben. "Er war Kristallisationspunkt einer speziellen satirisch-politischen Kultur, wie sie wohl nur in Frankfurt und dem dortigen geistig-literarischen Klima möglich ist", fügte Koch hinzu.

Der Leiter des Frankfurter Museums für komische Kunst "Caricatura", Achim Frenz, sprach von einem "großen Verlust". Mit Gernhardts Tod sei in der komischen Kunst in Deutschland eine Epoche zu Ende gegangen. Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) sagte, Gernhardt hinterlasse ein "unvergleichliches Werk". Er sei von allen, die ihn kannten, wegen seines "so dezenten wie hintergründigen Humors und wegen seiner Bescheidenheit im persönlichen Umgang gemocht worden".

Auch der Lektor des Frankfurter Verlags S. Fischer, Roland Spar, erinnerte an die menschlichen Vorzüge Gernhardts. Gernhardt sei "bis zum Schluss in allen Situationen" auch der geistreiche und humorvolle Mensch mit der Freude an Sprachspielen geblieben". (Von Guido Heisner, ddp)

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