Literatur :    LESESTOFF   

Christoph von MarschallD D

Christiane Feller, Katja Gloger: Bürgerland. Deutsche zeigen ihr Amerika. Edition Körber, Hamburg 2008. 190 Seiten, 14 €.

Aus wirtschaftlicher Not muss kein Deutscher mehr in die USA auswandern. Wer heute in Amerika eine neue Heimat findet, hat andere Motive. In „Bürgerland“ erzählen elf Deutsche, warum sie ihr Geburtsland verließen und lieber in den USA leben: Kranführerin Pia Hofmann etwa, die an Ground Zero die Trümmer (und die Leichen) des Anschlags von 9/11 wegräumte, oder Ray Hoffmann, der zum Parteivorsitzenden der Republikaner in Iowa wurde; die behinderte Spitzensportlerin Reinhild Möller oder der Siemens-Manager Matthias Lohmann, der in Amerika Gottes Ruf folgte und Prediger wurde. Ihre Geschichten sind keine kritiklose Verherrlichung der USA, für keinen von ihnen war die Ankunft leicht; manche haben bis heute Heimweh, andere wollen mit Deutschland nichts mehr zu tun haben. Doch jeder Fall zeigt, wie es Amerika gelingt, aus Neuankömmlingen relativ rasch Patrioten zu machen. Christoph von Marschall



505 Kinder-Euthanasieverbrechen in Leipzig. Plöttner Verlag, Leipzig 2008. 288 Seiten, 14,90 €.

Das erste Kinder-Euthanasie-Opfer in Deutschland wurde vor nunmehr 70 Jahren in Leipzig getötet. Das Kind mit dem Namen K., dessen wahre Identität bis heute nicht geklärt ist, wurde angeblich auf Wunsch seines Vaters von Professor Werner Catel, Leiter der Universitätskinderklinik Leipzig und einem der eifrigsten Verfechter der Euthanasie, „eingeschläfert“. K. folgten 500 weitere Kinder in Leipzig und etwa 5000 Kinder in Deutschland. Insgesamt gab es 70 000 Euthanasie-Opfer in Deutschland. Leipziger Jugendliche konzipierten mit mehreren Experten 2007 eine Ausstellung mit dem Titel „505 Kindereuthanasieverbrechen in Leipzig“; zusammen mit Materialien aus einer begleitenden Fachtagung hat der Plöttner Verlag daraus ein Buch gemacht. In der oft von einseitigen Schuldzuweisungen und Klischees begleiteteten Debatte um Sterbehilfe und Euthanasie – ob in Deutschland, den Niederlanden oder zuletzt in Italien – ein wichtiger, gelungener Kontrapunkt. Keyvan Dahesch

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