80. Geburtstag : Feier für Christa Wolf in Berlin

Eine nachdenkliche Christa Wolf und ein Publikum, das sie verehrt: Freunde, Leser und Weggefährten haben am Freitagabend in Berlin den 80. Geburtstag der Schriftstellerin gefeiert.

Christa Wolf
Christa Wolf in der Akademie der Künste. -Foto: dpa

BerlinBei einer Lesung in der Akademie der Künste gratulierten Kollegen wie Adolf Muschg, Uwe Timm und Tanja Dückers. Sie trugen Texte aus dem Buch "Sich aussetzen. Das Wort ergreifen" vor, das Herausgeberin Therese Hörnigk als "Geheimprojekt" zu Wolfs Geburtstag gestartet hatte. "Das hätte ich wirklich nicht erwartet", sagte Wolf über den Band, an dem sich mehr als 70 Autoren beteiligt haben. Darunter sind Beiträge von Günter Grass, Friederike Mayröcker, Peter Härtling, Egon Bahr, Friedrich Schorlemmer und Gregor Gysi.

Wolf freute sich über "so viel Zuwendung und so viel Verständnis". Verständnis sei für sie ein Schlüsselwort im Leben wie im Schreiben. Eröffnet wurde der Abend vom Autor Volker Braun. "Wir haben Dir zu danken für Dein Werk und Dein Leben", sagte Braun. Nach der Lesung gab es als Überraschung eine Tanzchoreografie von Arila Siegert zu Ravels "Bolero". Am Ende erhoben sich die Zuschauer von den Sitzen, um Wolf, die als eine der bedeutendsten Stimmen der deutschen Literatur gilt, zu würdigen. Neben ihr saß der Hausherr, Akademiepräsident Klaus Staeck.

"Zwiespältiger Vorgang"

80 Jahre alt zu werden, sei "natürlich ein zwiespältiger Vorgang", sagte Wolf, die gelassen und rüstig wirkte. "Bis jetzt bin ich älter geworden, nun werde ich alt." Das sei nicht lustig. "Ich habe bis jetzt noch nicht die positive Seite des Altwerdens entdeckt, von der manche meiner Ansicht nach lügnerisch reden." Aber Wolf sagte auch, dass jedes Jahrzehnt, auch das letzte, es wert gewesen sei, erlebt zu werden. "Dafür bin ich natürlich dankbar." Die Zahl 80 habe also ein "Janusgesicht", wie so vieles im Leben.

Sie zitierte Haikus, die ein Enkelsohn aus Japan geschickt hatte, und auch Goethe. Letzteres, weil ihr Mann, Gerhard Wolf, dazu geraten habe. "Und wie immer gehorche ich ihm", scherzte Wolf. Sie wählte das Goethe-Gedicht "Eigentum": "Ich weiß, dass mir nichts angehört / Als der Gedanke, der ungestört / Durch meine Seele will fließen / Und jeder günstige Augenblick / Den mich ein liebendes Geschick / Von Grund aus lässt genießen".

Neuer Roman vermutlich 2010

Die Berliner Schriftstellerin hatte bereits am Mittwoch Geburtstag. Sie gilt neben Anna Seghers als wichtigste Autorin der DDR, die auch im wiedervereinigten Deutschland Anerkennung in Ost und West genießt. Zu den Werken der Georg-Büchner-Preisträgerin zählen "Nachdenken über Christa T.", "Kindheitsmuster", "Kein Ort. Nirgends", "Kassandra" und "Medea". 2003 veröffentlichte sie Tagebuchauszüge von 1960 bis 2000. Ein neuer Roman soll laut Suhrkamp Verlag vermutlich im Frühjahr 2010 erscheinen.

Unter den Gästen in der Akademie der Künste am Hanseatenweg waren Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, Linke-Parteichef Lothar Bisky, Ex-Kulturstaatsministerin Christina Weiss und der Autor Christoph Hein. "Auf was für ein großes Werk kann sie nun zurückblicken", so leitete Hein seinen Buchtext für Wolf ein. "Ihre Arbeiten waren und sind erstaunlich wirksam." Literaturnobelpreisträger Günter Grass schenkte Wolf eine Lithographie einer seiner Agaven aus seinem Domizil in Portugal und stellte einen hintersinnigen Text daneben. (feh/dpa)

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