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Jean-Marie Gustave Le Clézio

Ein Weltbürger erhält den Literatur-Nobelpreis

Mit Jean-Marie Gustave Le Clézio erhält ein Schriftsteller den Nobelpreis, der seine Militärzeit für die Entwicklungshilfe umfunktionierte und der auch in Mexiko und Panama seine Spuren hinterließ. Thematisch setzt er sich vor allem für die Schwachen ein.
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Der Franzose Jean-Marie Gustave Le Clézio bekommt den Literaturnobelpreis 2008. Begründung: Er sei der "Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase". - Foto: dpa
Berlin -  Genau genommen geht der Literaturnobelpreis in diesem Jahr nicht nur an einen Schriftsteller, sondern vor allem an einen Globetrotter. Der 68-jährige Franzose Jean-Marie Gustave Le Clézio hat viel von der Welt gesehen. Er hat in Bristol und London an der Universität gearbeitet. Seinen militärischen Dienst hat er in Thailand begonnen. Dort machte er sich allerdings bald etwas unbeliebt, weil er mehr als Entwicklungshelfer auftrat und vor allem die Kinderprostitution im Land anprangerte. Seinen Dienst konnte er dann dort nicht beenden und ging nach Mexiko, um seinen militärischen Karriere abzuschließen. Später lebte er noch einige Jahre bei einem Indio-Volk in Panama und auch in den USA. "Diese Erfahrung hat mein komplettes Leben verändert, wie ich denke, wie ich mit anderem Menschen umgehe, wie ich Kunst sehe, wie ich esse, schlafe und liebe - sogar meine Träume hat es verändert", sagte Le Clézio einmal über seine Zeit in Panama. Kein Wunder, dass der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy sagte: "Ich bin sehr stolz, dass nicht nur ein Franzose diesen Preis gewonnen hat, sondern auch ein Weltbürger, ein Sohn aller Kontinente und Kulturen"

Die schwedische Akademie begründete seine Entscheidung damit, dass Le Clézio der "Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase" sei. Und die Franzosen scheinen schon länger dieser Auffassung zu sein. In einer Umfrage des Literaturmagazins "Livre" wurde er 1994 bereits zum "größten französischsprachigen Schriftsteller" gewählt. Knapp fünfzig Werke hat er bereits geschrieben. Darunter auch viele Kinder- und Jugendbücher. Als er 1963 mit 23 Jahren seinen ersten Roman "Das Protokoll" veröffentlichte, lobte ihn die Fachkritik einstimmig als eines der erstaunlichsten und eigenwilligsten Talente der modernen französischen Literatur. Das von Le Clézio als "Spielroman" bezeichnete Werk wurde im Umkreis des "nouveau roman" (Neuer Roman) angesiedelt und mit dem renommierten Literaturpreis Théophraste-Renaudot ausgezeichnet. Er hat sich aber auch in zahlreichen Essays, Fotobänden und Kurzgeschichten mit der indianischen Mythologie beschäftigt. Französische Literaturkritiker bezeichnen seine Sprache als klassisch und einfach zugänglich, aber auch raffiniert und bunt. Thematisch setzt er sich vor allem mit den Schwachen, den Ausgeschlossenen auseinander, weshalb die französische Zeitung "Libération" ihn auch als Romancier der Einsamkeit und der Irrfahrt bezeichnet. Als eines seiner besten Werke gilt in Frankreich das Buch "Désert" (Die Wüste). Auf Deutsch erschien zuletzt 2007 "Der Afrikaner" (Hanser Verlag), in dessen Zentrum der Vater des Schriftstellers steht, der Medziner war. Le Clézio galt bereits seit längerem als Favorit für den Literaturnobelpreis. Der letzte französische Staatsbürger, der mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde war 1985 Claude Simon.

Le Clézio ist Vater von zwei Töchtern und lebt mit seiner frau Jémia in den Vereinigten Staaten in Albuquerque (New Mexiko). Allerdings ist er auch oft in seiner Geburtsstadt Nizza und seiner eigentlichen Heimat in der Bretagne. 
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