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Martin Walser

Im Frieden mit Suhrkamp

Gerrit Bartels über Martin Walser und seine Versöhnungsoffensive
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Als der Suhrkamp-Verlag letzte Woche sein Berliner Domizil in Prenzlauer Berg feierlich einweihte, staunten viele Gäste über die Maßen bei der von den Frankfurter Kritikerempfängen schon bekannten alphabetischen Vorstellung der Autoren durch Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz. Unter dem Buchstaben „W“ fiel da doch tatsächlich der Name Martin Walser. Walser? War da nicht mal was? Verließ dieser den Suhrkamp-Verlag nach dem Tod von Siegfried Unseld nicht im Streit? Ist Walser nicht seitdem beim Rowohlt?

Doch Martin Walser zählte wirklich zu den Gästen der Suhrkamp-Feier, er wurde nur nicht von allen gesehen, weil es rappelvoll war, weil eben einfach alle da waren. Und Walser hat gleich auch dem „Focus“ verraten, dass und warum es mit ihm und dem Verlag wieder besser stehe: „Ich hatte jetzt mehrere gute Gespräche mit der neuen Verlagsleitung, sodass ich mich mit Suhrkamp wirklich im Frieden befinde. Ich hoffe, dass das meinen Büchern dort guttut. Denn bis dahin ist man nicht sehr pfleglich mit ihnen umgegangen, sondern verramschend.“

Versöhnung ist also immer möglich, gerade im Literaturbetrieb. Hier haben in den vergangenen Jahren insbesondere die großen, alten Männer wie Grass, Reich-Ranicki, Jens oder eben Walser die meisten ihrer Fehden beigelegt. Mit dem Suhrkamp-Verlag, das beweist seine Begründung, hat sich Walser jedoch nicht ohne Hintergedanken vertragen. Schließlich liegen die Rechte seines Hauptwerkes weiterhin bei Suhrkamp, und so wie es aussieht, ist der Verlag nicht gewillt, diese herauszurücken. Deshalb gab es vermutlich die vielen Gespräche zwischen Walser und der Verlagsleitung. Und deshalb ist Walser daran gelegen, dass mit seinen Büchern pfleglich umgegangen wird und sie nicht wie seinerzeit zum Beispiel die gebundene Erstauflage von „Finks Krieg“ für einen Euro in Billigbuchhandlungen verramscht werden.

Dass Walser im Alter trotzdem viel versöhnlicher geworden ist, beweist ein anderes Treffen in den nächsten Wochen. Ende Februar liest Walser in Berlin aus seiner neuen Novelle „Mein Jenseits“ – und spricht darüber nicht nur mit den Kritikern Heinz Ludwig Arnold und Denis Scheck, sondern auch mit Frank Schirrmacher, der 2002 den Skandal um „Tod eines Kritikers“ ausgelöst hatte. „Je älter man wird, desto mehr empfiehlt es sich, darauf zu achten, wie man auf andere wirkt.“, heißt es im ersten Satz von „Mein Jenseits“. Und Martin Walser geht da gleich mit gutem Beispiel voran.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 01.02.2010)
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