Literatur : Ach du dickes Ei!

Rolf Brockschmidt

Käpt’n Horatio Lüttich führte ein zufriedenes Leben mit seinen Jungs und seinem Schlepper „Krautsand“, mit dem er die großen Schiffe in den Hafen bugsiert. Eine tierisch gute Mannschaft, die allerdings eines Tages in einem heftigen Sturm kapitulieren musste, der Schlepper schlug leck. Für rund 50 000 Mark wäre der Kahn wieder zu reparieren, doch woher nehmen und nicht stehlen? Das ist die Ausgangslage für Peter Schössows wunderbares Bilderbuch „Baby Dronte“. Eines Tages findet der Kapitän am Strand ein riesiges, unbekanntes Ei, das er mit nach Hause nimmt und in sein Bett legt.

Und nun kommt es so, wie es bei Schössow, der kuriose Konstellationen liebt, kommen muss. Aus dem Ei schlüpft ein merkwürdiger großer Vogel, sehr zutraulich, der den Kapitän immer mit „Mama“ begrüßt. Aus der Tagesschau erfahren die Seeleute, dass Forscher das Ei einer Dronte, eines eigentlich ausgestorbenen Vogels aus Mauritius, verloren haben, es gibt 50 000 Mark Belohnung. Alle Probleme scheinen gelöst. Scheinen. Denn Schössow entwickelt in dem Klassiker eine abenteuerliche Geschichte, deren Ende hier natürlich nicht verraten werden soll. Es geht um Prinzipientreue, um vermeintlichen Verrat und viel Geld. Wie verhält man sich in solch einer Situation richtig? Kann man einen Fehler wieder korrigieren – mit allen Mitteln?

Peter Schössow erweist sich wieder einmal als ein wunderbarer Erzähler, der eine klare Sprache spricht, kombiniert mit hintergründigem Humor. Auf seinen poetischen Cinemascope-Illustrationen gibt es mehr zu entdecken, als zur Geschichte gehört. Bilder, deren Details zum Suchen und Erzählen einladen, etwa, wenn der Schlepper an den Bohrinseln vorbeituckert. Poesie mit einem Hauch von Realismus. Rolf Brockschmidt

Peter Schössow: Baby Dronte. Carl Hanser Verlag, München 2008. 48 Seiten. 14,90 Euro. Ab fünf Jahren

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