Buchkritik : Neue Leichtigkeit

Volker Marquardt weiß, was mit 40 wirklich zählt.

Gerrit Bartels

Vermutlich hat Florian Illies vor gut zehn Jahren nicht im Mindesten geahnt, dass er mit seinem maßgeblichen Buch über die „Generation Golf“ gleich einen ganzen Wirtschaftszweig begründen würde: den der Generationenbücher. Diese haben weiterhin Konjunktur, Krise hin oder her. Kaum ein Verlag, der nicht pro Jahr eines im Programm hat. Waren es letztes Jahr die „Alpha-Mädchen“ und die „Neuen Deutschen Mädchen“, die für Aufsehen sorgten und die „Generation Umhängetasche“ abhängten, so gibt es jetzt mal wieder einen Golf-Ableger: Volker Marquardts „Halbzeit. Was mit 40 wirklich zählt“.

Marquardt, geboren 1968, seit 1990 in Hamburg als Journalist tätig, Autor des „Handbuchs zum Überleben“ für die 35-Jährigen, erzählt nun von den ersten körperlichen Gebrechen der 40-Jährigen, ihren Liebes- und Ehebeziehungen, ihrem Verhältnis zu den Eltern, ihrem beruflichen Weiterkommen. Er beschreibt seine Generation als eine Zwischengeneration, die sich „im Windschatten“ der älteren wie der nachrückenden Generationen befindet. Die heute 40-Jährigen, so Marquardt, seien hin- und hergerissen zwischen Souveränität und Aufbruchsstimmung, „zwischen Sicherheit und Selbstverwirklichung“, der Sehnsucht, anzukommen, privat wie beruflich, und der nach weiteren Aufbrüchen, nicht ohne Grund: „Die neue Vielzahl an Liebesoptionen bringt uns nämlich, wenn es gut läuft, zu einer Leichtigkeit, die wir uns gar nicht mehr zugetraut hätten.“

Der Ton von Marquardts Buch ist ein aufdringlich optimistischer, versehen immer mit einem Augenzwinkern. Seine Selbstvergewisserung soll vor allem Spaß machen. Sie will auch Ernstes vermitteln, etwa die Problematik der Altersvorsorge und Elternpflege, kommt zu guter Letzt aber nicht ohne die obligate Liste aus: „Vierzig Gründe, warum wir froh sein können, vierzig zu sein.“

Ob die 40-Jährigen diese Gründe und dieses Buch wirklich brauchen, sei dahingestellt: Wer sich zu jung, zu alt oder überlastet fühlt, dürfte einige Aha-Erlebnisse bei der Lektüre haben. Wer mit sich im Reinen ist, erlebt sowieso, was Marquardt schildert, und dürfte in seinem Freundeskreis genug Gelegenheit zum Austausch haben.

Volker Marquardt: Halbzeit. Was mit 40 wirklich zählt.

Rowohlt Berlin, Berlin 2009. 208 S., 17, 90 €

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