Buchmesse : "Das Buch ist wieder Leitmedium"

In Leipzig dreht sich bis Sonntag alles ums gedruckte Wort - es ist Buchmesse. 1500 Autoren und solche, die es gerne wären, gewähren Einblicke in ihr Werk. Und die Branche feiert sich wieder einmal selbst, gemeinsam mit tausenden Besuchern. Der Anlass ist so simpel wie feierlich: Wir lesen wieder mehr.

Die Buchbranche ist in Feierlaune und hat zwei gute Gründe: Zum einen beginnt die Leipziger Buchmesse und zum anderen kaufen die Menschen wieder mehr Bücher. "Im vergangenen Jahr ist der Buchumsatz auf den Hauptvertriebswegen Buchhandel, Warenhaus und E-Commerce um 3,9 Prozent gestiegen", sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder. "Das ist eine unglaubliche Zahl für den Buchhandel, die nicht alleine auf Harry Potter, Hape Kerkeling oder Papst Benedikt zurückzuführen ist", so Honnefelder. Besonders im Aufwärts-Trend sind Science- Fiction, Fantasy und Krimis. Fazit: "Das Buch ist wieder Leitmedium", betont Honnefelder.

Preisträger mahnt: Nicht den Phrasendreschern erliegen

Da blickt der Buchhandel gleich viel freundliche in die Zukunft. Und die Branche beklatscht ihre Besten auf der Leipziger Buchmesse. Beim Eröffnungsfestakt am Mittwochabend im Gewandhaus erhält der niederländische Autor Geert Mak den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Der Preisträger mahnte in seiner zuvor schriftlich verbreiteten Dankesrede einen sensiblen Umgang mit Geschichte und Gegenwart an. "Unsere Eltern und Großeltern waren ja auch nicht besser oder schlechter als wir. Trotz aller Lehren aus dem zwanzigsten Jahrhundert sehe ich, wie in meinem Land unzählige Menschen schon wieder den verführerischen Botschaften geschickter Phrasendrescher erliegen", sagte der Historiker. "Weiter in Westeuropa sehe ich, wie versimpelnd manchmal über die herzzerreißenden Dilemmas, die für das Überleben in einer Diktatur unvermeidlich waren, geurteilt wurde."

Bis Sonntag präsentieren 2267 Verlage aus fast 40 Ländern ihre Neuerscheinungen. Die Messe verzeichnet damit eine Rekordbeteiligung. Europas größtes Lesefest "Leipzig liest" bietet außerdem rund 1900 Lesungen und Diskussionen mit prominenten Autoren. Insgesamt werden rund 100.000 Besucher erwartet.

Alle wollen Fantasy

"Man hat immer gesagt, das Buch geht unter. Im Augenblick werden wir eines Besseren belehrt", sagte Honnefelder. Allerdings haben sich die Umsätze in den einzelnen Sparten unterschiedlich entwickelt. Einen Umsatzrückgang im Vergleich zu 2006 gab es bei der Belletristik. Auf das starke Plus von 4,1 Prozent 2006 folgte ein Rückgang um 1,9 Prozent. Der Umsatz mit Science-Fiction- und Fantasy- Literatur stieg um 8,7 Prozent, der mit Krimis um 4,2 Prozent. Der Hörbuch-Umsatz kletterte um 2,6 Prozent. In einer Umfrage des Kölner Instituts für Handelsforschung (IfH) hat fast jeder zweite Buchhändler erklärt, dass sich im zweiten Halbjahr 2007 Kinder- und Jugendbücher besser verkauften.

Ob Belletristik, Comic oder Sachbuch: Auf der Buchmesse, die seit 2003 schwarze Zahlen schreibt, gibt's alles. Nicht nur auf dem modernen Messegelände vor den Toren der Stadt, sondern überall in Leipzig lassen 1500 Schriftsteller und Prominente bei "Leipzig liest" vier Tage und Nächte in ihre Werke gucken. Beziehungsweise lesen und reinhören: Bei Lesungen und Gesprächen gehen sie auf Tuchfühlung mit Fans und Kritikern. "Im hart umkämpften Buchmesse- Geschäft ist dieser Literaturmarathon ein ungeheurer Wettbewerbsvorteil", sagte der Chef der Leipziger Messe, Wolfgang Marzin.

Schwerpunktland Kroatien

Schwerpunktland der Buchmesse ist diesmal Kroatien. "Aus diesem Land kommen 37 Autoren, von allen liegen jetzt deutschsprachige Publikationen vor", sagte Buchmesse-Direktor Oliver Zille. Zudem werden 20 weitere Schriftsteller vom Balkan erwartet. "Wir wollen, dass es mehr interessante und kritische Bücher aus den mittel- und osteuropäischen Ländern in Deutschland gibt", sagte Zille. Bislang seien etwa aus Kroatien jährlich maximal drei Werke auf dem deutschen Markt erschienen.

Auch für Eltern, Lehrer und Erzieher ist die Messe interessant: 160 Veranstaltungen richten sich an Lehrer und Erzieher, 40 an Eltern. Im Forum "Kinder-Jugend-Bildung" etwa können sich Pädagogen über aktuelle Unterrichtsmethoden informieren. Die Bertelsmann- Stiftung organisiert am Donnerstag einen eintägigen Workshop "Kinder früher fördern - Wirksamere Bildungsinvestitionen" mit dem Ökonomie- Nobelpreisträger James Heckman. (saw/dpa/ddp/AFP)

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