Buchpreis 2009 : Deutsche Literatur: Besser als ihr Ruf

Wenig Überraschungen, aber viel Qualität: Die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2009 ist da. Doch wer schafft es auf die Shortlist, die Mitte September veröffentlicht wird?

Gerrit Bartels

Am schönsten sind wieder einmal die guten und schönen Worte, mit denen auch in diesem Jahr die Bekanntgabe der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2009 flankiert wird: Vom „hohen Standard der deutschsprachigen Literatur“ spricht der Juryvorsitzende Hubert Winkels und davon, dass „auch viele jüngere Autorinnen und Autoren uns diesmal überzeugt“ hätten. Ja, gar ein „Schattenkabinett“ wäre drin gewesen, mit rund zwanzig weiteren „sehr bemerkenswerten und auszeichnungswürdigen Romanen“.

Da freut sich doch die deutschsprachige Literatur! Da freut sich das literaturinteressierte Publikum! Und da freuen sich nicht zuletzt die Verlage und ihre Autoren! Ganz so außergewöhnlich schön stellt sich die Lage dann aber nicht dar. Denn zum einen ließen sich schon im Vorfeld locker zehn Titel aus diesem Herbst nennen, die mit Sicherheit auf dieser Liste landen würden, ohne dass zehn weitere problemlos dazugekommen wären. (Langes Überlegen, Stirnrunzeln, Programme blättern etc!) Und genauso wenig ist es ein Problem, schon jetzt ein paar Streichkandidaten zu nennen: Titel, die zwar einiger literarischen Ehren wert sind, aber die Anforderungen an genau diesen Deutschen Buchpreis nicht erfüllen, nämlich ein zahlenmäßig sehr großes Publikum zu erreichen und auch dessen Bedürfnisse auf Unterhaltung genauso wie auf Anspruch zu erfüllen.

Also: Höchstens Außenseiterchancen auf die am 16. September veröffentlichte Shortlist zu kommen haben Autoren wie Mirko Bonné, Ernst-Wilhelm Händler, Angelika Overath, Rainer Merkel oder die beiden Österreicher, immerhin schon in Klagenfurt beim Bachmann-Lesen erfolgreichen Clemens J. Setz und Thomas Stangl mit ihren Romanen. Auf Terézia Mora mit „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ sowie Stephan Thome mit „Grenzgang“ (siehe beide Tsp vom 16. 8.) wiederum konnte man schlecht dotierte Wetten abschließen, dass sie auf die Longlist kommen würden, genau wie auf Peter Stamm mit „Sieben Jahre“ (siehe Tsp vom 17. 8.), Herta Müller mit „Atemschaukel“ (siehe Tsp von heute morgen) und die Büchnerpreisträgerin 2005 Brigitte Kronauer mit „Zwei schwarze Jäger“. Auch Thomas Glavinic, Krimiautor Wolf Haas, Anna Katharina Hahn und Norbert Scheuer mit ihren neuen Romanen sind keine allzu große Überraschung.

Man muss gleichfalls kein großer Prophet sein, um sehen zu können, dass sechs der Letztgenannten auch auf der Shortlist stehen werden, die für den am 12. Oktober kurz vor Beginn der Frankfurter Buchmesse im Frankfurter Römer verliehenen und mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis maßgeblich ist. Merkwürdig allerdings, und damit sind wir mitten in der Kaffeesatzleserei, warum es Reinhard Jirgl mit „Die Stille“ noch auf die Longlist geschafft hat, war er doch schon für den Leipziger Buchpreis nominiert – und warum nicht Andreas Maier oder Julia Schoch, die ebenfalls in Leipzig nominiert waren und leer ausgingen. Kathrin Schmidt mit ihrem außergewöhnlichen literarischen Schlaganfallserfahrungsbericht „Du stirbst nicht“ ist da als übersehene Autorin aus dem Frühjahr besser am Platz, und gespannt darf man genauso sein, wie sich Sibylle Berg (hmhmhmhm!) und David Wagner (großes Kino!) schlagen werden. Ach ja, und überhaupt: Die deutschsprachige Literatur, sie ist eigentlich schon seit Jahren besser als ihr Ruf.

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